München – Es war ein Online-Schulgipfel mit Begleitmusik. Schon im Vorfeld hatten Schülervertreter in einem offenen Brief von überfüllten Schulbussen berichtet und von Klassenzimmern ohne Luftfilter. Der Bayerischen Elternverband (BEV) forderte in einem Brandbrief an Kultusminister Michael Piazolo (FW) ein sofortiges Umsteuern angesichts der Benachteiligung von Kindern aus bildungsfernen Familien und IT-Problemen. Piazolo sprach von einem „befremdlichen“ Vorgehen.
Bei dem Schulgipfel gestern mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und dem Kultusminister hatten sich die Gemüter etwas beruhigt, worüber alle sehr froh waren, wie Beteiligte berichten. „Der scharfe Ton in der jetzigen Phase macht doch alle nur wahnsinnig.“ Auch die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, lobte demonstrativ den „sehr ernsthaften Dialog“.
Konkrete Entscheidungen gab es gestern noch nicht. „Allen Beteiligten des Schulgipfels heute ist klar: Dies wird kein normales Schuljahr“, erklärte Piazolo hinterher. „Dennoch stellen wir den Präsenzunterricht solange irgend möglich sicher.“ Erneut verwies der Minister während des Schulgipfels auf die Gesundheitsämter, die lokal das letzte Wort hätten. Sicher ist: Der Stufenplan des Ministeriums, der nur für die (längst überall überschrittenen) Inzidenzwerten von 35 und 50 Regelungen trifft, wird eingestampft. Offenbar soll es auch keinen Ersatz geben. Der Wunsch mancher Eltern und Lehrer nach einem bayernweit einheitlichen Vorgehen wird so schnell nicht in Erfüllung gehen.
Noch unscharf blieb die Diskussion über eine Entschlackung von Lehrplänen während der Corona-Pandemie (von Elternverbänden gefordert). Auch bei der Frage, ob er Prüfungen erlassen wird, blieb Piazolo unkonkret. Bewegungen gibt es indes bei der Anschaffung von FFP2-Masken, die vom Bayerischen Philologenverband für alle Lehrer gefordert wurden. Söder gab keine definitive Zusage, sicherte aber Gesprächsbereitschaft zu. Denkbar ist, dass es bestimmte Kontingente für Schulen gibt, die Lehrer die Masken aber nur freiwillig tragen sollen. Mancher Beteiligter am Schulgipfel war damit nur halb zufrieden: „Bezüglich der Dienstgeräte und FFP2-Masken für Lehrkräfte hätten wir uns klarere Aussagen gewünscht, aber es wurden zumindest weitere Gespräche zugesagt“, erklärte Philologenchef Michael Schwägerl hinterher. Auch bei dem Kauf von Luftreinigern soll es Bewegung geben. Heute will Kultusminister Piazolo über weitere Details des Gipfels unterrichten.
Die Zeit drängt – denn die Gefahr weiterer Schulschließungen ist hoch. Schon im bisher laufenden Schuljahr waren in Bayern mehr als 40 000 Schülerinnen und Schüler in Corona-Quarantäne. Damit konnten mehr als 2,5 Prozent aller Schüler nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, wie die Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion ergibt. Die erfassten Fälle reichen vom Schuljahresbeginn bis zum 26. Oktober. Die Gründe für die Quarantäne sind unterschiedlich – etwa ein positiver Test oder ein Verdachtsfall. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Horst Arnold forderte angesichts der Zahlen ausreichend digitale Endgeräte wie Tablets oder Laptops für den Distanzunterricht. dw/we
Klare Aussagen wären erwünscht