DIRK WALTER
Auch dieses Schuljahr, das ist schon sicher, ist nicht normal. Corona legt den Schulbetrieb immer wieder lahm. Wenn nicht ein Wunder geschieht, steht Bayern vor einer Welle an Schulschließungen. Hoffentlich nur örtlich und nicht landesweit. Insofern war es höchste Zeit für einen Schulgipfel. Der Alarmbrief der beiden Elternverbände Anfang der Ferienwoche setzte da schon mal ein Zeichen, wie hitzig die Beteiligten diskutieren. Der Brief war schrill, ja panisch, im Ton überzogen und stellenweise unfreundlich. Das ist nicht hilfreich.
In der Sache freilich wurden wichtige Themen angesprochen. Dass die Zahl der Prüfungen vor den Herbstferien hoch war – aus Angst, sonst ohne Noten in eine Phase der Schulschließung zu laufen – wissen viele Eltern. Nur die Lösung dieses Problems überzeugte nicht: Die von den Elternverbänden und auch von den Grünen geforderten Lehrplankürzungen sind ein schwieriger Weg. Was lässt man weg? Den zweiten Punischen Krieg? Reicht auch einer? So etwas lässt sich bayernweit kaum schnell verordnen – und überhaupt: Soll das dann auf ein Abitur oder einen Quali „light“ hinauslaufen? Sollen die Kriterien für den Übertritt aufgeweicht und es jedem Kind selbst überlassen werden, auf welche Schulart es in der fünften Klasse wechselt? Bei solchen zentralen Weichenstellungen muss man aufpassen. Es ist aber richtig, den Schulen wo möglich mehr Freiräume zu gestatten. Es können statt fünf Schulaufgaben auch mal drei sein. Beim Sitzenbleiben wird man auch in diesem Jahr ein Auge zudrücken müssen.
Wichtig ist es aber auch, technisch schnell nachzusteuern. Es ist völlig richtig, dass die Anschaffung von FFP2-Masken für Lehrer und der Kauf von Luftreinigern beschleunigt wird. Nur dann lässt sich das vermeiden, was viele befürchten: Wochen oder gar Monate ohne Schule.
Dirk.Walter@ovb.net