Heime hoffen auf Schnelltests

von Redaktion

VON KATRIN WOITSCH

München – Die Meldungen kommen beinahe täglich – und aus fast allen Regionen. Allein seit Anfang dieser Woche gab es Corona-Ausbrüche in vier Pflegeheimen im Kreis Ebersberg, in einem Heim in Murnau und in drei Einrichtungen im Kreis Erding. Fast immer gibt es auch Todesopfer. Nur selten lässt sich hingegen nachverfolgen, wie das Virus in ein Heim gelangte. So war es vor zwei Wochen auch im Seniorenheim Haus Curanum in Karlsfeld (Kreis Dachau). Dort wurden insgesamt 104 der 129 Bewohner positiv auf das Virus getestet. 62 sind inzwischen genesen, 28 sind gestorben. Das Virus habe sich rasend schnell verbreitet, berichtet die Sprecherin Tanja Kurz. Trotz aller Schutzmaßnahmen.

Das waren dieselben, die in allen Einrichtungen gelten. Die Mitarbeiter tragen Mund-Nasen-Schutz, bei den Bewohnern gibt es zweimal täglich Temperaturkontrollen, alle Flächen werden in regelmäßigen Abständen desinfiziert. „Trotzdem gibt es einfach keinen hundertprozentigen Schutz vor der Einschleppung des Virus“, sagt Kurz.

Die Landtags-Grünen haben gestern im Plenum einen Dringlichkeitsantrag eingereicht, um den Schutz für Bewohner von Pflegeheimen und Menschen mit Behinderung zu verbessern. Sie fordern, verstärkt Antigen-Schnelltests einzusetzen, um das Risiko zu minimieren – vor allem mit Blick auf Weihnachten. „Bisher gibt es zu wenig Tests für alle Heime“, sagt der Grünen-Abgeordnete Andreas Krahl. Die Schutzausrüstung reiche zwar für die Pflegekräfte, aber nicht überall auch für die Besucher. Zur Unterstützung der Einrichtungen fordert er außerdem mobile Testteams vor Ort. „Die Pflegekräfte können das nicht zusätzlich stemmen, sie sind sowieso überall am Limit.“ Wenn der politische Wille da wäre, könnten alle Einrichtungen bis Weihnachten mit ausreichend Tests und mobilen Teams ausgestattet werden, ist Krahl überzeugt. „Das müsste die Lehre aus dem Frühjahr sein – wenn der Schutz der Senioren Priorität hat“, betont er.

Aktuell sind diese Tests Mangelware. „Der Markt ist sehr angespannt“, berichtet Herbert Borucker, der im Landes-Caritas-Verband für die Behindertenhilfe zuständig ist. „Und die Tests allein würden uns nicht reichen – wir brauchen auch Personal, um sie durchzuführen.“

Einige Träger sind der Politik bereits einen Schritt voraus – und haben die Schnelltests auf eigene Faust organisiert. Zum Beispiel die AWO München Stadt, die in München und dem Umland elf Heime, zwei Tagespflegeeinrichtungen und einen ambulanten Dienst betreibt. Dort werden alle Mitarbeiter, Bewohner und Besucher regelmäßig getestet, das Ergebnis liegt in weniger als 30 Minuten vor. „Wir nutzen pro Monat mehr als 16 000 Antigen-Schnelltests“, berichtet Maike Hessel, die Leiterin des Referats Seniorenpflege. Für die Tests hat sie selbst mit den Großhändlern verhandelt. Der Preis für die Tests wird nur bis sieben Euro erstattet, meist waren sie teurer. Die AWO finanziert das auf eigene Kosten. Allerdings müssen die Pflegekräfte diese Tests selbst durchführen. „Geschulte mobile Teams wären eine große Hilfe“, sagt Hessel. Aktuell seien die Einrichtungen bei der Durchführung vor eine große Herausforderung gestellt.

Doch trotz der Eigen-Initiative und aller Schutzmaßnahmen: Auch in den Einrichtungen der Münchner AWO gab es in den vergangenen Wochen Corona-Ausbrüche. Allerdings wäre das Ausmaß ohne die Tests wohl deutlich schlimmer gewesen, berichtet Hessel. So wurden beispielsweise Besucher positiv getestet, bevor sie in die Einrichtung kamen. Und in einigen Fällen auch Pflegekräfte, die während einer Schicht plötzlich Symptome bemerkten. „Wir konnten dank den Tests zumindest die Ausbreitung des Virus verringern“, sagt Hessel.

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