München – Am Donnerstagabend rollten in Bayern wieder die Traktoren. In Straubing etwa blockierten rund 100 Bauern mit 60 Bulldogs kurzzeitig ein Edeka-Zentrallager. Auch in Eching im Kreis Freising waren mehrere Zentrallager betroffen. In ganz Deutschland kommt es derzeit immer wieder zu ähnlichen Protest-Aktionen. Die Landwirte wollen die großen Lebensmitteleinzelhändler damit zu höheren Preisen für ihre Produkte drängen.
Der Bayerische Bauernverband war an der Organisation dieser Proteste zwar nicht beteiligt – die meisten Aktionen wurden von der Protestbewegung „Land schafft Verbindung“ initiiert – dennoch seien einige BBV-Mitglieder mit vor Ort gewesen, betonte Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl. „Die Proteste bringen die Verärgerung unter den Landwirten zum Ausdruck.“
Infolge eines „Dringlichkeitsgipfels“ mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und den Spitzen der großen Handelsketten kündigte die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) am Donnerstagabend an, im Laufe des kommenden Jahres über die Initiative Tierwohl 50 Millionen Euro zur Unterstützung der Landwirte zur Verfügung zu stellen. Damit sollen die Marktschwierigkeiten wegen der Pandemie und des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest abgefedert werden.
Doch für den Bauernverband ist das nicht ausreichend. „In der jetzigen Preiskrise sind das nur Almosen“, sagte Heidl am Freitag. Die angekündigten 50 Millionen entsprächen in der aktuellen Situation etwa den Einbußen der Schweinebauern von nur einer Woche. Heidl fordert einen faireren Umgang der großen Handelsketten mit den Landwirten. Auch die Politik müsse helfen. Das Gebaren des Lebensmitteleinzelhandels in den vergangenen Jahren habe zu einer absoluten Übermacht geführt. Die Politik müsse ihre kartellrechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, „um die Großen nicht noch größer zu machen“, forderte Heidl.
Im Handel stieß der Alleingang von Lidl auf wenig Verständnis. Der Lidl-Chef versuche offenbar, den Zorn der Bauern auf die anderen Händler abzulenken, war zu hören. Dabei seien die Probleme vom Handel allein gar nicht zu lösen. Denn einer der Hauptgründe für den Preisverfall etwa bei Schweinefleisch sei der dramatische Rückgang der Fleischexporte infolge der Afrikanischen Schweinepest. Hier sei die Politik gefordert. dg/dpa