UNTER MEINEM WEISS-BLAUEN HIMMEL

Der Advent: die beste Zeit, sich selbst zu beschenken

von Redaktion

VON CAROLIN REIBER

Ein kleines, hübsch verpacktes Päckchen mit einer Karte: „Für mich von mir!“ Als ich es bei einer Nachbarin auf dem Tisch liegen sah, musste ich schmunzeln und dachte: eine gute Idee. Warum sich nicht selbst beschenken? Dazu passt ein Satz, den ich gestern entdeckt habe: „Wir lassen ausfallen, stattdessen lassen wir uns etwas einfallen.“

Natürlich blutet das Herz, wenn wir an jene Adventszeit denken, die uns seit Kinderzeiten vertraut ist. Unbeschwertes Stöbern nach Weihnachtsgeschenken in Geschäften ohne Abstand, ohne Maske, lustige Glühweinrunden mit Kollegen, Schulter an Schulter, auf dem Christkindlmarkt. Budenzauber wird es dieses Jahr nicht geben, aber auch keinen Verzicht auf jene festliche Stimmung, die uns erwärmt, wenn es draußen kälter und dunkel ist.

Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm, dass wir alle einen Gang runterschalten: Im ursprünglichen Sinn ist die Adventszeit eine Fastenzeit, eine Zeit der Stille. Sich zu Hause einkuscheln, endlich mal die Bücher in die Hand nehmen, die man schon so lange lesen wollte, es sich gemütlich machen und vielleicht sogar ein bisschen mehr Aufwand betreiben, um die eigenen vier Wände so richtig genießen zu können. Bei mir steht zum ersten Mal auf dem Fensterbrett ein kunstvoll geschnitzter leuchtender Schwibbogen. Das Geschenk meiner Kollegin Marianne aus dem Erzgebirge, verbunden mit schönen Erinnerungen.

Sich selbst etwas Gutes tun – das Motto! Für mich persönlich gehört dazu auch das äußere Erscheinungsbild. Keine großen Einladungen, kein Theater, kein Abendessen im Lieblingslokal. Warum also morgens vor dem Schrank stehen und grübeln: Was ziehe ich heute an? Bequemer: morgens in den Jogginganzug schlüpfen und vor dem Zubettgehen wieder ausziehen – warum nicht? Man ist daheim.

Doch schon vor Corona erfreute sich der bequeme Look immer größerer Beliebtheit. Ich persönlich finde es schade, wenn sogar bei besonderen Anlässen immer weniger Wert auf entsprechende Kleidung gelegt wird. Sneakers zum Kostüm? Geschmackssache, ganz abgesehen von der Tatsache, dass sich mit Turnschuhen an den Füßen automatisch der Gang verändert. Es geht um „Haltung“.

Dass Outfit nicht einfach nur Outfit ist, beweisen Studien von Neurologen. Wir alle kennen es: Schlüpft man nach der Arbeit in Jeans und T-Shirt, fühlt man sich gleich anders. Ein Friseurbesuch zum Beispiel hebt die Laune. Mit unserem Erscheinungsbild verändern wir die Wahrnehmung von uns selbst, haben eine andere Ausstrahlung. Thomas Mann schrieb angeblich alle seine Romane im Anzug mit Fliege. Das Aussehen als Spiegel der Seele, mit der wir kommunizieren.

Wenn ich meine Mutter zu früh abholen wollte, sagte sie, auch noch in hohem Alter: „Ich muss erst mein Gesicht anziehen“ – und meinte damit ihr Make-up. Auf gut Bairisch: „A wengerl aufgmaschelt muaß scho sej.”

Morgen also in jedem Fall raus aus dem Jogginganzug. Zweiter Advent, zwei Lichter brennen und der Heilige Nikolaus kommt mit seinem goldenen Buch. Lob und kleine Ermahnungen. Vielleicht steht er dieses Jahr im Treppenhaus, vor dem Haus oder im Garten. Auch er muss Abstand halten. Denn Covid-19 hat sicher nicht einmal vor Mitra und Bischofsstab Respekt. So wird er seine Gaben einfach hinstellen, den Kindern eine gesegnete Weihnacht wünschen und seines Weges gehen. In der Hoffnung, dass nächstes Jahr alles wieder sein wird wie in den guten „alten“ Zeiten…

In diesem Sinn –

herzlich

Ihre Carolin

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