Zapfig könnte es am Wochenende für Florian Egginger, 22, aus Gauting im Kreis Starnberg werden. „Wenn es nicht regnet, bin ich schon absolut zufrieden“, sagt er. Als Nikolaus darf man dieses Jahr nicht verfroren sein. Denn eine dicke Kapuzenjacke unter der Albe, dem weißen Untergewand, würde das Kostüm schon etwas stören. „Aber eine dünnere Jacke geht, und wir sind zu zweit und wechseln uns ab“, sagt er.
Egginger, im normalen Leben Auszubildender zum Industriekaufmann, engagiert sich bei der Katholischen Jugend Gauting, die den Kindern mit dem Nikolausdienst eine Freude macht. Ganz ausfallen soll das Angebot auch heuer nicht. „Wir drehen den Spieß um“, erklärt er. „Nicht der Nikolaus kommt zu den Familien, sondern die Kinder besuchen den Nikolaus.“ Im Pfarrgarten vor der Kirche St. Benedikt stellt die Pfarrjugend einen geschmückten Pavillon auf, in dem der Nikolaus die Kinder empfängt. „Wir sind im Freien und können einen Abstand von drei Metern einhalten“, sagt Egginger. „Der Schutz der Familien steht an oberster Stelle.“ Dass die Kinder den Bischofsstab halten, geht nicht, und die Geschenke werden kontaktlos übergeben. Ansonsten läuft alles wie gewohnt. Natürlich hat der Nikolaus sein Buch dabei, in dem er sich so manches notiert hat, was im Laufe des Jahres passiert ist.
Er ist heuer zum dritten Mal Nikolaus und hat inzwischen gelernt, worauf es ankommt: „Wichtig ist, dass man ein Gefühl hat, wie die Kinder reagieren, spontan ist, und gerne redet.“ Denn es gibt einige Tücken: „Bei Zwillingen oder Geschwistern, die sich sehr ähnlich sehen, muss man aufpassen, dass man nicht das falsche Kind anspricht.“ Auch bei einem seiner Besuche kam es schon einmal zu einem Missverständnis. Die Eltern baten den Nikolaus, ein Mädchen fürs Rad zu loben. „Also habe ich gefragt, was das Kind für ein Fahrrad hat“, erzählt er. Doch: „Es war gemeint, dass es so gut Rad schlagen kann.“
CLAUDIA SCHURI