Warum ist Ludwig II. der „Kini“?

von Redaktion

Dialekt im Wandel der Zeit: Schon 1827 taucht der Begriff auf

Wenn man vom „Kini“ spricht, dann ist nicht Ludwig I. gemeint und auch nicht Max II. Joseph – sondern natürlich König Ludwig II. Manche wie der Münchner Historiker und Ludwig-Experte Alfons Schweiggert bedauern das ein wenig. „Ludwig II. hätte das Wort ,Kini‘ sicher nicht gerne gehört.“ Die Bezeichnung, sagt Schweiggert, werde wohl leider „nicht mehr auszulöschen sein“. Aber wie immer man dazu steht – woher kommt der Begriff eigentlich und warum wird er heute nur Ludwig II. zugeschrieben?

Das fragte sich auch unsere Leserin Lydia Schwarz aus München, die vermutete, der Begriff sei durch die Königstreuen Vereine oder gewisse Boulevardzeitungen in den 1950er-Jahren eingebürgert worden. Aber weit gefehlt: Andrea Schamberger-Hirt, Redaktionsleiterin beim „Bayerischen Wörterbuch“, schaut auf unsere Anfrage hin gleich mal im Schmeller nach. Und siehe da: Schon in der ersten Auflage des Wörterbuchs von Johann Andreas Schmeller aus dem Jahr 1827 wird Kini als Dialektbegriff für „König“ genannt. König Ludwig II. kann damit nicht gemeint gewesen sein, es war einfach ein Dialektbegriff, der mutmaßlich vor allem im mittleren und östlichen Oberbayern üblich war – während man im Schwäbischen eher vom „Kenig“ sprach. Teilweise ist das noch heute so. Natürlich wurde „Kenig“ oder „Kini“ nur gebraucht, wenn Ludwig II. nicht persönlich vor Ort war. Sonst war er die „Majestät“.

Spätere Fachautoren haben den „Kini“ dann weiter ausgeführt, wie Historiker Schweiggert erläutert: Der „Kini“ ist schon im „Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm“, Leipzig 1854-1960, erwähnt.

Auch der Volkskundler Franz Xaver von Schönwerth (1810-1886) kannte das Wort „Kini“. Er erwähnt einen Erzähler aus Bärnau im Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz, der über die Zwerge folgendes schreibt:

„D’ Zwargl’n lebm in Wold in Felslecharn und hob’n an Kini, an Zwarglkini.“

Ebenso erwähnt der bekannte Schriftsteller Georg Queri in seinem Buch „Kraftbayrisch“ von 1912 das Wort „Kini“ in einem Gstanzl zum Krieg 1870/ 71:

„Da Kini will’s haben (gemeint ist die Teilnahme am Krieg), Und mir san dabei, Dee boarischn Jaaga Ferchtn koa Rafferei.“

Schon hier sieht man, dass der Kini jetzt auf König Ludwig II. gemünzt wird. Queri musste den Namen Ludwig gar nicht mehr erwähnen – trotzdem wusste jeder, wer gemeint ist. Wie kam es dazu?

Die Antwort der Experten ist schlicht: „Nachdem es nach dem Tod Ludwigs II. in Bayern über 26 Jahre nur noch den für das Volk unsichtbaren Schatten-König Otto und einen Prinzregenten gab, blieb Ludwig II. als ,der Kini‘ im Bewusstsein“, meint Gerhard Immler, Leiter des Geheimen Hausarchivs der Wittelsbacher. Er war einfach der letzte richtige König – upps: Kini. Die heutige inflationäre Verwendung, so meint Immler, habe natürlich ihre Hintergründe im „Mythos Ludwig II.“ und der Tourismuswerbung. Und da hat sich die oberbayerischen Variante statt der ostallgäuerisch-lechrainischen Kenig-Variante durchgesetzt – obwohl Ludwig sich eher im Allgäu als in Oberbayern wohl- fühlte. DIRK WALTER

Artikel 1 von 11