Freche Spatzen und schmutzige Finken

von Redaktion

STUNDE DER WINTERVÖGEL Ab dem 8. Januar sind Hobby-Ornithologen wieder gefragt

München – Im letzten Sommer haben viele Menschen ihre Liebe zur Vogelwelt entdeckt. Kein Wunder, denn Vögel kann man überall beobachten, und es tut einfach gut, in der Natur zu sein und die Aufmerksamkeit weg von Sorgen und Alltag hin auf die Vogelwelt zu richten. Erfahrene Vogelbeobachter haben dabei einige Tricks, die immerhin über 350 verschiedenen Vogelarten, die in Deutschland brüten, auseinanderzuhalten.

„Körperform und Gefiederfärbung sind natürlich die wichtigsten Merkmale“, sagt Sophia Engel vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in München. Aber auch Verhaltensunterschiede helfen bei der Bestimmung, und selbst Wissenschaftler erkennen zunehmend auch individuelle Charaktereigenschaften bei Vögeln. „Solche Charakterzuweisungen klingen zwar manchmal allzu menschlich, ein wahrer Kern ist aber meistens dabei. Außer beim Schmutzfinken – das ist reine Verleumdung“, sagt die Ornithologin und schmunzelt.

. Die Kohlmeise ist nicht nur einer der häufigsten Vögel in unseren Gärten, sondern auch das bekannteste Objekt für wissenschaftliche Charakterstudien bei Vögeln. Kohlmeisen haben geradezu menschlich anmutende Persönlichkeiten: Es gibt schüchterne und kecke, erkundungsfreudige oder aber eher zurückhaltend-vorsichtige Exemplare. Als Art gilt die größte unserer Meisen aber als sehr selbstbewusst und durchsetzungsstark am Futterhaus.

. Die kleinere Blaumeise steht auf der Hierarchieleiter eigentlich eine Stufe unter der großen Cousine. Ein paar Gramm weniger machen in der direkten körperlichen Auseinandersetzung nämlich einen großen Unterschied. Allerdings gleicht die Blaumeise das durch Chuzpe aus und behauptet sich durch schiere Frechheit dann doch oft gegen größere Gegner. Ihr Charakter ist daher: klein, aber oho!

. Der muntere Spatz (oder Haussperling) ist ausgesprochen gesellig. Als Kulturfolger hat er sich an die Nähe von Menschen schon lange gewöhnt und klaut uns auch gerne mal die Krümel vom Kaffeetisch. Frech eben. Eine gesunde Portion Vorsicht hat er sich aber erhalten. Als Kurzcharakterisierung könnte man sagen: Vorwitzig mit Sinn für die Realität.

. Das Rotkehlchen mit seinen schwarzen Knopfaugen und der orangenen Brust ist des Gärtners bester Freund. Oft kommt es ganz nah und kann richtig zutraulich werden. Nur wehe, es zeigt sich ein Artgenosse! Als ausgesprochener Einzelgänger verteidigt es sein Revier auch im Winter. Das freundliche Flauschkügelchen zeigt dann auf einmal sein anderes Gesicht und vertreibt den Eindringling vehement. Seine Kurzcharakterisierung: bipolar.

Wer Freude am Vogelbeobachten hat. sollte am besten eine Futterstelle anlegen. Im Idealfall kann man so seine Charakterstudien direkt vom Küchenfenster aus betreiben. Vogelfutter auf Fettbasis selbst herzustellen, ist ganz einfach. Die LBV-Expertin Sophia Engel verrät das Rezept: Zwei Teile Bio-Kokosfett schmelzen, ein Teil Weizenkleie untermischen (eventuell mit Erdnussbruch oder kleingeschnittenen Rosinen), ein Schuss Salatöl dazu. Die Masse in leere Joghurtbecher füllen, einen Zweig hineinstecken und erkalten lassen. Anschließend kurz in heißes Wasser tauchen, um die Form zu lösen. Am Zweig kann der Futterblock aufgehängt oder in die Erde gesteckt werden.  mm

Wintervögel beobachten

Vom 8. bis 10. Januar findet wieder die Stunde der Wintervögel statt, die der LBV organisiert. Machen Sie mit und zählen Sie eine Stunde lang die Vögel im Garten, Park oder auf dem Balkon. Ihre Beobachtungen können Sie einfach online melden unter www.stunde-der-wintervoegel.de oder mit dem Meldebogen, den Sie am 7. Januar in unserer Zeitung finden. Es gibt Preise zu gewinnen.

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