MASSGESCHNEIDERT

VON HERBERT SCHNEIDER In der Zeitmaschine

von Redaktion

Einsteigen bitte zu einem Flug mit der Zeitmaschine, einem Gedankenspiel, das gut zum Jahreswechsel passt!

Stellen wir uns vor: Vorkriegsgeborene, inzwischen längst Uromas und Uropas, wären immer noch Kinder und an Weihnachten mit einem großen Knall und Lichter-Pyramide ins Jahr 2020 katapultiert. Sehr erstaunt sind die zeitversetzten Kinder über ihre Weihnachtsgeschenke, die sich auf wunderbare Weise verwandelt haben. Aus dem Stabilbaukasten ist ein Computerspiel geworden, aus dem von Mutterhand gestrickten Pullover ein Hoodie und der Tretroller, damals in den 1930er-Jahren noch Radlrutsch genannt, hat sich zum Skateboard gemausert.

Verunsichert, bald aber erfreut nehmen die Kinder ihre veränderten Wohnverhältnisse wahr. Aus der karg möblierten engen Zinsburg-Zelle mit dem Waschhaus im Hinterhof ist ein schmuckes Heim mit Edelgarnituren geworden. Manche Gerätschaften, etwa Mikrowelle und Elektroherd, die den Küchenofen samt Bündelholz und Kohlenkiste ersetzt haben, der Geschirrspüler, die Waschmaschine mit Wäscheschleuder, auch Kühlschrank und Tiefkühltruhe müssen ihnen eigens erklärt werden. Dass die Zimmer fernbeheizt sind, glauben sie erst, nachdem sie die Hand auf einen Heizkörper gelegt haben.

Dass es nun auch ein schön gekacheltes Bad in der Wohnung gibt, können sie erst gar nicht glauben. Waren sie nicht erst noch vor einer Woche ins Genossenschaftsbad gegangen, für 40 Pfennig Eintritt – und jetzt fließend kaltes und warmes Wasser aus der Edelstahl- Garnitur. Als ihnen der elektrische Haartrockner vorgeführt wird, flüchten sie entsetzt aus dem Badezimmer. Dass Vati jetzt ein eigenes Auto vor dem Haus stehen hat, haben sie noch gar nicht mitgekriegt.

Doch Kinder lernen schnell. Wetten, dass die ins Jahr 2020 versetzten Vorkriegskinder schon nach wenigen Wochen locker im McDonald’s lümmeln und Big Mac anstatt Marmeladebrote mampfen würden, Hansi Flick von Jürgen Klopp unterscheiden, Mediatheken, Netflix & Spotify problemlos bedienen und alle Tricks beherrschten, um Eltern und Großeltern so viel Taschengeld wie nur möglich für dieses großartige, aber auch aufwendige neue Leben herauszuquetschen – wenn das Ganze nicht bloß ein Gedankenspiel gewesen wäre, eine nostalgisch angehauchte Fantasie, möglicherweise einem Glaserl Punsch zu viel in der Weihnachtszeit entsprungen.

An dieser Stelle schreibt unser Turmschreiber

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