KATRIN WOITSCH
Melanie Humls Rauswurf als Gesundheitsministerin kam unerwartet – aber nicht überraschend. Seit der Testpanne bei den Reiserückkehrern im Sommer war sie als Ministerin angezählt. Sie stand unter Beobachtung und unter großem Druck. Söders Strategie, ihr halbherzig den Rücken zu stärken, aber gleichzeitig einen Corona-Taskforce-Chef ins Haus zu setzen, hat sie nicht souveräner wirken lassen. Eine entmachtete Gesundheitsministerin ist keine gute Besetzung, wenn es darum geht, eine Jahrhundert-Krise zu meistern. Ihren Rücktritt anzunehmen, wäre schon im August die sauberere Lösung gewesen. Das Vertrauen war verloren.
So viele Menschen wie möglich in Bayern so schnell wie möglich gegen das Coronavirus zu impfen, ist eine gigantische Aufgabe. Sie kann nur mit Vertrauen gelingen – in die medizinischen Fachkräfte, aber auch in die Politiker, die die Weichen dafür stellen und das besser kommunizieren müssen. Dieses Vertrauen muss sich Bayerns neuer Gesundheitsminister Klaus Holetschek nun erst mal verdienen. Dass ausgerechnet viele Pflegekräfte noch vor einer Impfung zögern, ist jedenfalls kein gutes Signal. Und bei allem Verständnis dafür, dass sich die größte Impf-Aktion aller Zeiten erst einspielen muss: Viel mehr Pannen dürfen nicht passieren. Die Organisation und die Impfstoff-Lieferungen müssen reibungslos laufen. Und bei der Terminvergabe dürfen auch die Menschen nicht vergessen werden, die es nicht ohne Hilfe schaffen, einen Termin zu vereinbaren oder in ein Impfzentrum zu fahren. Holetschek profitiert davon, dass er bisher die Corona-Taskforce leitete und mit allen Problemen und Abläufen bestens vertraut ist. Er weiß sehr gut, wie groß die Herausforderung ist – und dass er genau wie Melanie Huml daran gemessen werden wird, wie gut er sie meistert.
Katrin.Woitsch@ovb.net