München – Der Mieter: „eine männliche Person, die etwas gemietet hat“. Die Mieterin: „eine weibliche Person, die etwas gemietet hat“. So ist es ab sofort im Online-Wörterbuch des Duden-Verlags zu lesen. Dort sollen alle rund 12 000 Personen- und Berufsbezeichnungen so geändert werden, dass die weibliche und männliche Form jeweils eigens erläutert werden. Bei dem „Mieter“ und der „Mieterin“ ist das bereits der Fall. Zum Vergleich: Der „Lehrer“ wird unter anderem noch als „jemand, der an einer Schule unterrichtet“ beschrieben. Bei der „Lehrerin“ steht lediglich der Verweis „weibliche Form zu Lehrer“.
„Bisher waren die Artikel zu den weiblichen Bezeichnungen keine Vollartikel, sondern nur Verweisartikel“, erklärt die Leiterin der Duden-Redaktion, Kathrin Kunkel-Razum. „Viele Nutzerinnen und Nutzer haben uns darauf hingewiesen, dass das nicht mehr zeitgemäß ist.“ Künftig sollen weibliche und männliche Formen gleichwertig vertreten sein. Das habe auch den Vorteil, dass die Bedeutungen leichter zu finden seien. Gerade werden die Begriffe überarbeitet. „Wir wollen eine größere Präzision“, sagt Kunkel-Razum. „Es ist nicht das Anliegen der Duden-Redaktion, das generische Maskulinum abzuschaffen“, betont sie. Darunter versteht man, dass Bezeichnungen in der männlichen Form als Oberbegriff verwendet werden. Spricht man zum Beispiel von den Lehrern, sind damit oft Lehrerinnen und Lehrer gemeint.
Sprachwissenschaftler bewerten die Überarbeitung unterschiedlich. „Es war längst fällig“, findet Renata Szczepaniak, Sprachwissenschaftlerin und Frauenbeauftragte an der Universität Bamberg. „Bisher war das männliche Geschlecht sehr stark sichtbar“, erklärt sie. „Es geht aber um die Sichtbarmachung beider Geschlechter.“ Es sei generell keine gute Lösung, männliche Formen als Oberbegriffe zu verwenden. „Um Geschlechtsunabhängigkeit auszudrücken, gibt es eine große Auswahl an anderen Möglichkeiten“, sagt sie. Lehrer und Lehrerinnen könnten zum Beispiel auch als Lehrkräfte bezeichnet werden.
Andere Wissenschaftler kritisieren die Änderungen. Es sei grotesk und unverantwortlich zu behaupten, Wörter wie Schüler, Arzt oder Mieter hätten keine geschlechtsabstrahierende Bedeutung, sagte Elisabeth Leiss von der Ludwig-Maximilians-Universität München der Zeitung „Die Welt“. Die Duden-Redaktion sei dem „aktuellen Gender-Unsinn“ offenbar vollends verfallen. Auch der Potsdamer Linguist Peter Eisenberg bezeichnete die Einträge als „Irreführung des Lesers“ und Ewa Trutkowski von der Freien Universität Bozen erklärte, die geänderten Definitionen bildeten nicht die sprachliche Realität ab.
Rund ein Drittel der Bezeichnungen im Online-Duden sind bereits überarbeitet, die anderen sollen bis Ende des Jahres geändert werden. Wie mit dem Thema im gedruckten Duden-Universalwörterbuch umgegangen wird, ist noch nicht entschieden. „Denn dort ist der Platz begrenzt“, sagt Kathrin Kunkel-Razum. cla/epd