Schulstart im Ausnahmezustand

von Redaktion

VON DIRK WALTER

München – Alle Blicke richten sich auf Mebis: Funktioniert die Lernplattform des Kultusministeriums heute zum Auftakt des (zunächst) auf drei Wochen terminierten Digitalunterrichts – oder schmiert sie wie vor Weihnachten wieder ab? Das Kultusministerium hat genaue Regeln an die Schulen geschickt, um neue Pannen zu verhindern. Jede Schule in Bayern erhielt eine Anweisung, ab wann sich Schüler in Mebis – gestaffelt nach Viertelstunden – einloggen dürfen. Das soll eine Überlastung des Systems verhindern. Manche Schulen warnen die Schüler: Es sei nicht abzusehen, „wie gut Mebis ab Montag funktionieren wird“, heißt es da. Notfalls werde auf E-Mails umgeschaltet, um die Schüler mit Arbeitsmaterial zu versorgen.

Kultusminister Michael Piazolo (FW) hat zuletzt mehrfach gemahnt, Mebis nur zeitlich versetzt („asynchron“) zu nutzen – beispielsweise am Nachmittag schon Materialien für den nächsten Tag abzurufen, um eine Systemüberlastung zu vermeiden. „Schülerinnen und Schüler sollen zu regelmäßigem Arbeiten motiviert werden, es ist aber nicht angezeigt, sich täglich exakt zu Beginn des Distanzunterrichts bei Mebis anzumelden“, heißt es in zweiseitigen Empfehlungen, die an Eltern und Schüler gingen. Bei einem neuen Absturz müsste sich der Kultusminister wohl Sorgen um seinen Job machen.

Am Gymnasium in Bruckmühl (Kreis Rosenheim) beispielsweise dürfen die Schüler Mebis erst ab 9.15 Uhr nutzen – vorher nicht. Die Schule um 8 Uhr beginnt für die Gymnasiasten in Bruckmühl mit dem Einloggen in den Live-Unterricht, sagt Schulleiter Walter Baier. Das Gymnasium arbeitet je nach Klasse mit den Videokonferenzsystemen Jitsi oder MSTeams. Der Lehrer in der ersten Stunde hat Kontrollpflicht, dass sich wirklich alle Schüler beteiligen. Wer fehlt, wird zu Hause angerufen. „Es ist jetzt eine deutliche Struktur drin“, sagt Baier. Eigentlich sei es ausgeschlossen, dass sich Schüler wie in der Vergangenheit still und heimlich aus dem Digitalunterricht „abseilen“.

Baier hält Distanzunterricht für aufwendiger als Präsenzunterricht zu normalen Zeiten – eine Einschätzung, die viele Lehrer teilen. Sie müssen Hefteinträge möglichst selbsterklärend verschicken, von den Schülern Aufgaben einsammeln, diese korrigieren und online zurückschicken – bei 150 Schülern, die ein Fachlehrer betreut, summiert es sich. Jetzt kommt die Kontrolle der Online-Präsenz dazu. Lehrer müssen sicherstellen, dass nicht eine technische Panne den Schüler ausloggt, dann aber das Sekretariat alarmieren – parallel zum Unterricht.

Zur Herausforderung dürfte der Digitalunterricht vor allem an den Grundschulen werden. Er sei „pädagogisch und didaktisch enorm aufwendig“, klagt die Präsidentin des Lehrerverbands BLLV, Simone Fleischmann, in einem Rundbrief an alle Mitglieder. Sie ist daher über die Streichung der Faschingsferien sehr erzürnt. Der Hintergrund: Erstklässler können nicht in gleicher Weise digital unterrichtet werden wie etwa ältere Gymnasiasten – viel wird vom Einsatz der Lehrerinnen und Lehrer abhängen, die vom Kultusminister aufgefordert wurden, Arbeitsmaterialien notfalls auch persönlich bei den Eltern abzugeben – oder per Post zu versenden. Manche Schulen lassen die Arbeitsblätter freilich auch von den Eltern abholen – müssen dann aber regeln, wann wer kommt, um Andrang zu verhindern..

Eigentlich gibt es nur einen Vorteil des Digitalunterrichts: Die meisten Lehrer unterrichten von zuhause aus. Das Wlan der meisten Schulen ist nicht dafür ausgelegt, dass Dutzende Lehrer gleichzeitig digitale Klassenkonferenzen veranstalten. „Wir haben es ausprobiert: Bei mehr als drei Klassen bricht die Verbindung zusammen“, sagt Schulleiter Baier.

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