Garmischer Corona-Mutation nicht britische Variante

von Redaktion

Garmisch-Partenkirchen – 35 Patienten und Mitarbeiter im Klinikum Garmisch-Partenkirchen haben sich mit einer möglicherweise neuen Variante des Coronavirus infiziert (wir berichteten). Derzeit werden drei Proben an der Berliner Charité untersucht. Das Klinikum rechnet bis Ende Januar mit Ergebnissen.

Eine gute Nachricht konnte Clemens Stockklausner, stellvertretender Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Garmisch-Partenkirchen, bereits gestern verkünden. „Es handelt sich sicher nicht um eine der bekannten englischen oder südafrikanischen Varianten“, erklärte er. Diese ist ansteckender als das Ursprungsvirus. Laut Stockklausner gebe es bei der Variante in Garmisch-Partenkirchen an der Position 501 keine Mutation – diese wäre typisch für die britische und die südafrikanische Mutation. „An einer Stelle, zwischen 69 und 70, fehlt ein kleiner Teilbereich eines Proteins“, sagte er. Das sei bei der britischen Variante der Fall, komme aber auch bei mehreren internationalen Varianten vor und wurde in Deutschland mehrfach nachgewiesen. Noch ist unklar, ob die Virus-Variante aus Garmisch-Partenkirchen wirklich neu ist und ob sie Auswirkungen auf die Infektiosität oder die Schwere der Erkrankung hat.

Christian Drosten, Virologe bei der Berliner Charité äußerte sich auf Twitter ebenfalls zu der Mutation. „Wir haben keinerlei Hinweis auf eine besondere Mutation“, erklärte er. Er erwarte bei der Sequenzierung im Moment keine Überraschungen. „Kein Grund zur Sorge“, schrieb er.

Generell ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Viren verändern, erklärt Professor Franz-Xaver Reichl, Beauftragter für die Biologische Sicherheit von Bakterien und Viren an der LMU. „Viren mutieren ständig“, sagt er. „Das muss nichts Bedrohliches sein. Die allermeisten Mutationen sind völlig unproblematisch.“ Ein Virus könne auch ungefährlicher werden.

Wichtig sei, Mutationen schnell zu entdecken. „Dann kann man schnell darauf reagieren“, erklärt Reichl. Die so genannten Genom-Sequenzierungen bei positiven Corona-Proben finden in der Regel in Sequenzierungslaboren statt. Doch: „Die Kapazitäten sind begrenzt“, sagt Reichl. „Großbritannien ist uns voraus.“ Dort werde bei jedem 20. positiven PCR-Test eine Genom-Analyse gemacht. „In Deutschland ist es nur bei jedem 900. der Fall“, sagt er. Deshalb sollen auch hier die Sequenzierungen ausgewertet werden: „Ziel ist, die englischen Zahlen zu erreichen.“

Je schneller Mutationen festgestellt werden, desto schneller könnte zum Beispiel der Impfstoff angepasst werden. Das ist jedoch gar nicht immer nötig: „Der Biontech-Impfstoff wurde gegen 20 Virusmutationen getestet“, erklärt Reichl. „Er hat immer gewirkt.“ Bei größeren Mutationen könne man reagieren: „Der neue Impfstoff kann umgearbeitet werden“, sagt er.  cf/cla/lby

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