München – Noch bis mindestens Ende Januar sind alle Schulen geschlossen, 1,6 Millionen Schüler auf Distanzunterricht verwiesen. Doch die Eltern werden ungeduldig. Am Wochenende formierten sie sich in München und forderten Schulöffnungen für die Abiturienten (wir berichteten), gestern nun machte die Initiative „Familien in der Krise“ mit der Forderung auf sich aufmerksam, Grundschulen und Kitas „sofort“ für den Präsenzunterricht zu öffnen – und die Abschlussklassen spätestens Anfang Februar. Ähnlich ist es schon jetzt in Hessen und Niedersachsen. Covid-Schnelltests für Schüler und Lehrer sollen in Bayern helfen.
„Familien in der Krise“ ist eine neue kleine Gruppierung, die die Gründung eines Vereins plant. 300 Eltern sind es bundesweit, vielleicht 30 in Bayern. Einer der Sprecher ist der Münchner Patentprüfer Tobias Oelbaum, 45, Vater von vier Kindern. Er war vorher nach eigenen Angaben nicht politisch aktiv, aber schwer genervt vom Online-Unterricht, wie er in Bayern ablief – oder besser: nicht ablief. „Mein Sohn hatte in der 4. Klasse zwischen Mitte März und Ende Juli noch 45 Stunden Unterricht“, klagt er. „Normal sind 28 in der Woche.“ So stieß er zur Initiative, die nun die Schulpolitik im Wochenrhythmus mit Forderungspapieren überzieht. Das jüngste mit der sofortigen Schulöffnung ist besonders forsch.
Die Lehrerpräsidentin Simone Fleischmann vom BLLV hat Verständnis für die Nöte der Eltern. „Wenn wir die Schulen wieder öffnen, dann zuerst für die Kleinen“, sagt sie. Aber jetzt schon zu öffnen, „das geht uns zu weit“. Gesundheitsschutz gehe vor. Auch der FDP-Landtagsabgeordnete Matthias Fischbach will sich der Forderung nicht anschließen. „Sicherheit geht vor Geschwindigkeit“, sagt er. Ähnlich äußert sich der Grünen-Schulexperte Max Deisenhofer: „Momentan lassen uns die hohen Infektionszahlen leider keine andere Wahl.“ Das bayerische Kultusministerium wiegelt ebenso ab: „Die Beschlusslage sieht vor, dass an allen bayerischen Schulen bis 29. Januar Distanzunterricht gilt.“
Initiativen-Sprecher Oelbaum verteidigt sich: „Die Eintragungen des Virus in den Schulen sind besonders gering, da ändert auch das mutierte Virus nichts“, behauptet er. Daher seien Schulöffnungen tragbar. Er verweist auf den Pisa-Chef Andreas Schleicher, der jüngst in der „FAS“ Ähnliches forderte.
Der FDP-Bildungspolitiker Fischbach will lieber auf die Studie „Covid Kids Bavaria“ warten, die im Juli startete. Die Forscher, darunter auch Prof. Dr. Christoph Klein von der Ludwig-Maximilians-Universität München, testen Kinder bis zehn Jahren auf Infektionen und Symptome. Fischbach fordert, dass die Forscher jetzt zumindest Zwischenresultate veröffentlichen. Doch die Studie verzögert sich. „Nach zwei Erhebungsrunden hätte nun eigentlich die dritte Erhebungsphase erfolgen sollen, die aber angesichts des Lockdowns verschoben werden muss“, teilt Klein auf Anfrage mit.
Auch bei den von „Familien in der Krise“ geforderten Covid-Schnelltests an den Schulen sieht es nicht gut aus. In der Tat gab es einen Versuch mit Schnelltests Anfang Dezember an der Erlanger Realschule am Europakanal. Einmalig. Damals versprach Innenminister Joachim Herrmann (CSU) laut BR eine „schnelle Entscheidung“, die Tests „im Schulalltag“ zu etablieren. Seitdem hat man davon nichts mehr gehört.