München/Vierkirchen – Es ist ein kleiner Schritt, aber immerhin: Wenn die Infektionszahlen nicht nach oben schnellen, dürfen ab 1. Februar wieder die ersten Schüler in den Präsenzunterricht zurückkehren. Für die Abitur-Jahrgänge (Q12) und die Abschlussklassen an FOS und BOS werde Wechselunterricht erlaubt, teilte Kultusminister Michael Piazolo (FW) nach der Tagung des bayerischen Ministerrats mit. Auch Berufsschüler dürfen in den Wechselunterricht, sofern ihre Prüfung „zeitnah“ noch vor Ostern ansteht. Es gilt Maskenpflicht im Unterricht, allerdings reicht eine Stoffmaske aus. Wechselunterricht heißt: Es können immer nur halbierte Gruppen/Klassen gehen, mal die einen, mal die anderen. Die meisten Schulen hatten zuletzt einen täglichen Wechsel eingeführt, manche auch einen wöchentlichen Austausch. Grünen-Schulexperte Max Deisenhofer forderte, mit den Grundschülern zuerst zu beginnen. Diesen Weg geht Baden-Württemberg. Grundschüler hätten es beim Distanzunterricht am Schwersten, sagte Deisenhofer.
Piazolo sicherte auch zu, die Schulen würden in diesem Schuljahr „großzügig“ beim Vorrücken auf Probe verfahren. Freiwilliges Wiederholen werde nicht angerechnet. Zugleich zeigte er sich zufrieden mit der Umsetzung des Distanzunterrichts. Allerdings gebe es auch Negativ-Beispiele. „Dem gehen wir nach.“
Es könnte gut sein, dass sich das Ministerium auch für den Fall von Selina Seebauer interessiert. Die Abiturientin an der FOS für Gestaltung in München wohnt in Rettenbach, einem kleinen Ortsteil von Vierkirchen (Kreis Dachau). Dort sind die Internet-Leitungen so schlecht, dass die Schülerin ihr Englisch-Referat draußen im Garten halten musste. „Ich habe mit meiner Lehrerin noch Witze gemacht, aber dann bin ich raus gegangen.“ Immerhin: Sie bekam eine 2 – „und Englisch ist nicht mein bestes Fach“.
Ebenfalls ärgerlich ist das, worüber Lehrer in den sozialen Medien berichten: Die Zugangsdaten zu Video-Klassenkonferenzen werden von Schülern öfters blindlings weitergeschickt. Dann schalten sich Unbekannte in die Klassenkonferenz ein und stören sie: „Hatte gerade wildfremde Menschen in meiner Videokonferenz, weil irgendwelche Deppen meinen persönlichen Konferenzlink einfach weitergeleitet haben“, berichtete eine Lehrerin auf Twitter über ihre Erfahrungen mit dem Konferenzsystem Zoom. „Dann wurde ich übers Mikrofon aufs Allerübelste derbe beleidigt.“ Bei einem ähnlichen Fall an einer Grundschule in Abensberg/Niederbayern ermittelt sogar die Polizei.
Noch ein Thema, über das sich Lehrer aufregen: die gestrichenen Faschingsferien. Lehrer- und Elternverbände forderten erneut, die Streichung der Ferien zurückzunehmen. Doch es bleibt dabei. „Es ist klug, die Faschingsferien nicht zu machen“, erklärte Ministerpräsident Markus Söder. dw/zim/lby