Neue Spuren nach 27 Jahren

von Redaktion

Ungelöster Mordfall: 44-jähriger Nachbar festgenommen

Wiesenfeld – Für die Familie von Sabine Back aus Wiesenfeld war der Mord an ihrer Tochter nie verjährt. Auch die Kripo hat nicht aufgehört, nach dem Mörder der 13-Jährigen zu fahnden: Nach 27 Jahren wurde gestern ein Nachbar der Familie dem Haftrichter vorgeführt. Neu analysierte DNA-Spuren belasten ihn schwer.

Mittwochmorgen fuhren mehrere Einsatzwagen am Reiterhof im Spessart vor, wo Sabine Back am 15. Dezember 1993 auf grausame Weise ermordet wurde. Die Ermittler durchkämmten die Wiesen – und nahmen den heute 44-jährigen Thorsten E. mit aufs Revier. Er gehörte schon 1997 zu den Tatverdächtigen. Damals arbeitete er als 17-jähriger Helfer auf dem Hof. Sabine hatte sich an diesem 15. Dezember von ihrer Familie verabschiedet, sie wollte reiten gehen. Ein 14-Jähriger sah sie abends noch beim Füttern, er gehörte später zu den Hauptverdächtigen. Am Tag darauf erstattete ihre Mutter Vermisstenanzeige, doch erst drei Tage später fanden Feuerwehrleute die halb nackte Leiche in der abgepumpten Jauchegrube. Ein Pflock soll ihr in den Unterleib gerammt worden sein, von Schlägen auf den Kopf und in den Mund gestopftem Stroh war die Rede. Die Tätersuche verlief holprig: Der 14-Jährige wurde dreimal festgenommen, dreimal freigelassen und 1994 in einem Prozess aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Später starb er bei einem Unfall.

Der Nachbar Franz Zimmermann wollte sich damit nie zufriedengeben, er ermittelte auf eigene Faust gegen die zwei übrigen Verdächtigen: Anton S. (29) und Thorsten E. Letzterem habe sein Chef damals „Du warst es doch“ ins Gesicht gesagt, erzählt Zimmermann. Daraufhin sei E. heulend zu einem Polizeiwagen gelaufen und habe geschrien: „Dann war ich es eben!“ Doch die Beweise gegen ihn reichten nie. Woraufhin Zimmermann zur Selbstjustiz griff und E. verdrosch. Zehn Monate Haft auf Bewährung kassierte der heute 74-Jährige dafür. Danach kaufte er das Anwesen der Familie E. in Wiesenfeld, um die Angehörigen aus dem Ort zu vertreiben. Nun sind die Ermittler auf den abseits gelegenen Aussiedlerhof zurückgekehrt. Durch verbesserte Untersuchungsmethoden wurden DNA-Spuren von Thorsten E. am Körper der Ermordeten nachgewiesen. Der Tatverdächtige schweigt zu den Vorwürfen.

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