NS-Hinterlassenschaft in neuen Händen

von Redaktion

VON DIRK WALTER UND KILIAN PFEIFFER

Berchtesgaden – „Bunkeranlagen“, heißt es auf einem Schild am Parkplatz vor dem Hotel. Pfeile weisen die Richtung zu einem „Teilbereich Reichssicherheitsdienst“ und einem „Teilbereich Berghofbunker“. Am Hotel angebaut ist ein Holzverschlag mit einem großen Schild, das auf Gefängnisse und Schießscharten hinweist. Und immer wieder kommen Besucher, die etwas hilflos nach einem Eingang suchen. Vergebens. Seit Jahren ist das Hotel und auch der Eingang zu den „Bunkeranlagen“ geschlossen. Die Besucher würden wohl eh enttäuscht, sagt der Münchner Historiker Sven Keller, der sich das vor Jahren mal angeschaut hat. Mehr als ein paar Bunkergänge und einige Arrestzellen sind nicht mehr vorhanden. Einstmals gab es einen unterirdischen Gang, der bis zu Hitlers „Berghof“ führte. Aber der ist zugemauert – und der „Berghof“ schon lange abgerissen.

Dass die einstige Besitzerin des Hotels mit der NS-Vergangenheit der Anlage recht hemdsärmelig umgegangen ist, ist kein Geheimnis. Manche sagen auch, dass sie mit dem Ruch der Nazivergangenheit bewusst warb. Reichssicherheitsdienst, das mag den einen oder anderen angezogen haben. Unter diesem Begriff firmierte schlicht das Wachpersonal für Hitler.

Nun aber wurde das Hotel über Sotheby’s Immobiliensparte („International Realty“) verkauft – laut „Berchtesgadener Anzeiger“ an eine einheimische Unternehmerfamilie, die unbekannt bleiben will. Ein Kaufpreis ist nicht bekannt – bei Sotheby’s war das laut Werbung „denkmalgeschützte Hotel mit Nebenhaus und Kiosk“ in „traumhafter und ruhiger Lage“ für 3,65 Millionen Euro angeboten worden.

Direkt oberhalb des alten Hotels liegt die staatliche NS-Dokumentation des Münchner Instituts für Zeitgeschichte. In der Ausstellung wird die Geschichte des Obersalzbergs und der NS-Größen fachkundig dargestellt. Sven Keller, der die NS-Dokumentation leitet, hat vom Verkauf des Hotels „Zum Türken“ gehört. „Wir freuen uns, dass es in lokalen Händen geblieben ist“, sagt er unserer Zeitung. Er sei nicht darüber informiert, was die neuen Besitzer mit der Anlage vorhaben. Doch er vertraue auf die Seriosität der neuen Eigentümer. Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp sagte, Gespräche mit dem neuen Eigentümer seien „positiv“ verlaufen. „Wer den neuen Eigentümer kennt, weiß, dass das Gebäude in guten Händen ist“, sagte ein Berchtesgadener Lokalpolitiker.

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