„Das Impfportal ist seniorenunfreundlich“

von Redaktion

INTERVIEW Ehrenamtliche Helferin berichtet über Probleme

Wolfratshausen – Die Nachbarschaftshilfe Wolfratshausen hilft Senioren bei der Registrierung auf dem bayerischen Impfportal. Die Nachfrage ist groß. Das Telefon der Vorsitzenden Eva-Maria Rühling klingelt ständig. Tagtäglich erreichen sie und die drei weiteren Ehrenamtlichen unzählige Hilferufe. Sogar Hausärzte und Apotheken aus der Region empfehlen sie bereits weiter. Die 65-Jährige ist sich sicher: Ohne das Angebot hätten viele Senioren ein Problem bei der Anmeldung.

Frau Rühling, wieso helfen Sie den Senioren?

Der ursprüngliche Gedanke war eigentlich, Senioren einen Fahrdienst zum Impfzentrum zu ermöglichen. Aus unserer jahrelangen Senioren-Arbeit wissen wir, dass viele ältere Menschen nicht mehr so mobil sind und keine Angehörigen haben, die sie fahren können. Nur haben wir kurz nach Impfstart festgestellt, dass viele Senioren noch gar keine Termine haben und das Problem schon hier beginnt.

Was sind die größten Hürden für die Senioren?

Es gibt mehrere Probleme, die auftreten. Es beginnt damit, dass die Impf-Hotline oft besetzt ist. So bleibt nur noch die Möglichkeit, über die Online-Registrierung einen Termin zu bekommen. Viele Über-80-Jährige haben aber kein Internet. Andere wiederum haben einen Internetzugang und eine E-Mail-Adresse. Doch sie stehen vor dem nächsten Problem: Man benötigt eine zweite E-Mail-Adresse für den Partner. Außerdem wird eine Handy-nummer verlangt, die ebenfalls bei Senioren nicht selbstverständlich ist. Viele sind verzweifelt und haben Angst davor, keinen Impftermin mehr zu bekommen.

Haben auch Senioren unter 80 Jahren Probleme?

Ja, es rufen auch beispielsweise 70-Jährige an oder jüngere Pflegende, die schwer kranke Senioren Zuhause betreuen. Denen würden wir auch gerne helfen. Doch die Vergabe der Impftermine erfolgt streng nach Geburtsjahr.

Tun sich Senioren grundsätzlich schwerer mit Online-Registrierungen?

Nein. Es wurde nur hier nicht an die Zielgruppe gedacht. Das Portal ist nicht nur seniorenunfreundlich, sondern insgesamt kundenunfreundlich. Zum Beispiel werden E-Mail-Adressen mit Unterstrich oder Bindestrich von dem Portal aktuell nicht akzeptiert. Das trifft nach Aussagen einiger Senioren viele Nutzer von t-online-Adressen.

Wie helfen Sie?

Wir begleiten telefonisch durch den Prozess und helfen bei der Online-Anmeldung. Falls der Anrufer kein Internet hat, nehmen wir seine Daten in einer Liste auf. Die geben wir abends persönlich beim Impfzentrum ab. Das haben wir mit den Mitarbeitern dort so vereinbart.

Wie läuft die Terminvergabe ab?

Die Mitarbeiter des Impfzentrums tippen die vielen Kontaktdaten in eine Anmeldemaske ein und vergeben die Termine. Wir sind über diese Vereinbarung sehr dankbar. Im Verein selbst löschen wir dann die Daten.

Was muss sich ändern?

Beim Portal sollte unbedingt nachgebessert werden. Es wäre hilfreich, wenn ältere Ehepaare gemeinsam oder pflegende Angehörige zusammen mit dem Kranken einen Impftermin erhalten. Das würde weniger Zeit und Fahrerei in Anspruch nehmen.

Interview: Lisa Fischer

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