Miesbach kippt das Ausflugsverbot

von Redaktion

VON KATRIN WOITSCH UND SASCHA KAROWSKI

Miesbach – Wer kein Miesbacher Kennzeichen hatte, musste sich am Sonntagnachmittag am Spitzing in Geduld üben. Die Polizei kontrollierte noch einmal verstärkt, ob Ausflügler unter den Reisenden waren. Denn für sie war der Landkreis Miesbach nun knapp zwei Wochen lang tabu. Als die Inzidenzwerte für die Region über 200 schossen, trat nicht nur die 15-Kilometer-Regelung in Kraft – sondern auch die Allgemeinverfügung, die das Landratsamt erlassen hatte. Die Miesbacher durften sich nur noch in einem 15-Kilometer-Radius um ihren Wohnsitz bewegen, für Auswärtige waren touristische Fahrten in den Landkreis verboten. 1167 Polizeikontrollen gab es – die Polizei stellte 127 Verstöße gegen eine der beiden Regeln fest.

Nachdem die Zahlen kontinuierlich sanken (siehe Grafik), ist die 15-Kilometer-Regelung am Samstag aufgehoben worden. Mit der Entscheidung über das Ausflugsverbot ließ sich das Landratsamt bewusst noch bis gestern Zeit. Man habe die Ergebnisse des Wochenendes noch abwarten wollen, erklärt eine Sprecherin. „Wir wollten sichergehen, dass die Zahlen tatsächlich niedrig bleiben.“ Denn tendenziell werden die Inzidenzwerte am Wochenende immer etwas verzerrt, weil die Labore und Hausärzte weniger arbeiten, erklärt sie. Gestern meldete das Robert-Koch-Institut für Miesbach eine 7-Tage-Inzidenz von 70.

In den vergangenen drei Wochen wurden laut Landratsamt 427 positive Corona-Befunde an das Gesundheitsamt übermittelt. Etwa 20 Prozent davon standen in Zusammenhang mit Ausbrüchen in zwei Pflegeeinrichtungen, betroffen waren 51 Bewohner und 33 Mitarbeitet. Die Ausbrüche in den Einrichtungen seien somit nicht allein verantwortlich für den starken Anstieg der Zahlen gewesen, argumentiert das Landratsamt. Wegen des großen Besucherandrangs in die beliebten Ausflugsregionen Tegernsee, Schliersee und Spitzingsee hatte es zuletzt immer wieder Konflikte gegeben. Besonders gegen die Münchner wurde gewettert – zuletzt mit einem beleidigenden Schild am Ortseingang (wir berichteten). „Wir haben hunderte Zuschriften erhalten“, berichtet die Sprecherin des Landratsamtes. Unter anderem auch solche, in denen Landrat Olaf von Löwis (CSU) körperliche Gewalt angedroht wurde. „Bei allem Verständnis, dass man raus in die Natur möchte, wurden zuletzt Grenzen überschritten.“ Allerdings habe es auch positive Rückmeldungen gegeben. Trotzdem wollte sich von Löwis gestern nicht zu der aufgehobenen Allgemeinverfügung äußern. Genau wie der Münchner OB Dieter Reiter (SPD). Die Münchner Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) freute sich, dass Ausflüge ins Oberland künftig wieder möglich werden. Sie appellierte aber gleichzeitig, aufeinander Rücksicht zu nehmen.

Wegen der verschärfen Einreiseregeln für Berufspendler aus Tschechien spitzt sich die Lage im Grenzgebiet immer mehr zu. Am frühen Montagmorgen stauten sich bereits hunderte Fahrzeuge an den Grenzübergängen in der Oberpfalz. Der Rückstau reichte bereits am frühen Morgen bis nach Tschechien hinein. Trotz Unverständnis auf tschechischer Seite rückt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aber nicht von der Corona-Testpflicht ab, wie ein Regierungssprecher am Montag mitteilte. Einreisende aus einem Hochrisikogebiet wie Tschechien müssen einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen. Der tschechische Regierungschef Andrej Babis wollte mit Söder telefonieren, um auf Erleichterungen zu dringen. Es sei ein konstruktiver Austausch gewesen, sagte der bayerische Regierungssprecher. Söder habe aber zum Ausdruck gebracht, dass der Freistaat auf der Testpflicht bestehe. Das Landratsamt Cham teilte gestern mit, dass die Autoschlangen schon am frühen Morgen eine „Bewährungsprobe“ gewesen seien. Etliche Autos warteten bereits, als die Teststation um 5 Uhr früh den Betrieb aufnahm. Von den fast 900 Schnelltests waren am Ende aber nur zwei positiv ausgefallen.  (mit lby)

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