Bruckmühl – Walter Baier leitet das Gymnasium Bruckmühl (Kreis Rosenheim), eine Schule mit 750 Schülern und Schülerinnen, aber ohne Netz. Ja, so was gibt es noch. Maximal ein bis zwei Lehrer können aus der Schule heraus ihren Live-Unterricht in die Zimmer der Schüler senden. Versuchen es mehr, bricht alles zusammen. Die Lehrer haben also die strikte Weisung erhalten, zu Hause zu bleiben und von ihren privaten Anschlüssen daheim Digitalunterricht abzuhalten. Das funktioniert jetzt auch ganz gut.
Doch ab 1. Februar könnte die Schule ein Problem haben. Dann sollen die Abiturienten zurück in die Schule kommen, jeden Tag im Wechsel mal die eine, mal die andere Hälfte des Jahrgangs. Die Lehrer würden dann in den Klassenzimmern Wechselunterricht anbieten – eine Hälfte ist vor ihnen im Klassenraum, die andere Hälfte verfolgt den Unterricht am Bildschirm daheim. So stellt es sich das Kultusministerium in der Theorie vor. In der Praxis wird es nicht gehen, weil nicht ein Dutzend Lehrer gleichzeitig streamen können.
Auch die übrigen Schüler der Jahrgänge 5 bis 11 werden dann nur noch sporadisch Digitalunterricht bekommen können. Denn ein Fachlehrer, der beispielsweise in der ersten Stunde einen Abikurs hat, kann ja schlecht zur 2. Stunde für den Unterricht der Klasse 6b nach Hause fahren. „Wir werden uns also mit Arbeitsaufträgen behelfen müssen“, sagt Baier.
Das Landratsamt Rosenheim bestätigt, die Situation sei „in der Tat nicht optimal“. Der Auftrag zum Anschluss an das Glasfasernetz sei bereits im vergangenen Jahr erteilt worden. „Geplant ist, dass die Bauarbeiten im zweiten Quartal 2021 durchgeführt werden.“ dw