Die weiße Pracht, die man beim täglichen Luftschnappen genießen kann, legt sich wohltuend auf die Seele. Ja, wir haben uns alles so ganz anders vorgestellt, aber: Auch in Corona-Zeiten ist es immer noch ein Wintermärchen, das wir genießen dürfen. Und wir wissen, dass Märchen immer ein gutes Ende haben, oder? Natürlich vermisse ich meine „Komödie“, das Deutsche Theater, die Oper, Konzerte, vor allem aber die fröhlichen Stunden in angeregter Runde, das spontane Klingeln an der Haustür von Freunden, die auf einen Sprung vorbeikommen. Unbeschwerte Freiheit, ohne Angst vor Aerosolen – sie war uns selbstverständlich. Aber die Telefonate sind uns geblieben, und meistens beginnen sie mit der Frage: „Und was machst du heute so?“ Lesen – es steht ganz oben auf der Liste. Ein Zitat von Arthur Schopenhauer fällt mir ein: „Es wäre gut, Bücher zu kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, gleich mitkaufen könnte.“ Jetzt haben wir Zeit, mehr als uns manchmal lieb ist. Der Stapel ungelesener Bücher wird kleiner. Wie heißt es bei dem Schriftsteller Jean Paul: „Bücher lesen heißt wandern in ferne Länder, aus den Stuben, über die Sterne.“ Aber auch so manches Talent, das im Verborgenen schlummerte, wird neu entdeckt oder wiederbelebt. „Ich habe meine alte Staffelei aus dem Keller geholt und male wieder.“ Oder: „Ich frische gerade mein Italienisch auf.“ Endlich mal wieder die Fotoalben sortieren, in Erinnerungen schwelgen und dem römischen Dichter Martialis beipflichten: „Doppelt lebt, wer auch Vergangenes genießt.“ Aber auch Puzzlespiele sind heiß begehrt. Angeblich hat sich der Umsatz verdreifacht. Und wer schlechter Laune ist, bekommt von mir gleich das entsprechende Spiel geschenkt, einen echten Oldtimer: „Mensch ärgere Dich nicht“. Im Internet sprießen Tipps gegen aufkommende Langeweile wie Pilze aus dem Boden. Auf die Frage nach meinem Hobby fällt mir als erstes immer mein Kräutergarten ein, verdeckt unter einer weißen Haube. Eine Freude, dass ich auch im Winter den duftenden Rosmarin pflücken kann. Ach, gemeinsam ist uns allen doch die Sehnsucht nach dem Licht am Ende des Tunnels, auch ganz real. Spätestens am 2. Februar, an Lichtmess, werden die Tage länger. Vor noch nicht allzu langer Zeit wurden in katholischen Kirchen und Privathaushalten erst an diesem Datum Krippen und Weihnachtsbäume abgebaut. Bis Mariä Lichtmess durfte man sich gegenseitig auch noch ein gutes neues Jahr wünschen. Eine alte Tradition, an der ich immer noch gerne festhalte. Die Tage bis Agatha, dem 5. Februar, waren einst ein vertraglich festgehaltenes Nichtstun für Dienstboten: die sogenannte Schenkzeit. Passt gut ins Bild, denn über ein Geschenk von mir dürften Freunde in den vergangenen Tagen geschmunzelt haben. Mich hatte nämlich mein Freund Paul angerufen und mir gut gelaunt erzählt, dass Monika Grubers neues Buch vor ihm liegt: „Und du wirst darin erwähnt!” Eine Ehre. Allerdings heißt der Titel: „Und erlöse uns von den Blöden“. Aha! Ich habe es gleich fünf Mal gekauft und verschickt. So, jetzt widme ich mich aber wieder der Autobiografie von Ralph Siegel: „Mehr als ein bisschen Frieden…“
In diesem Sinn –
herzlich
Ihre Carolin