München – Seit gestern sind zumindest gut zwei Prozent der Schüler wieder in der Schule – doch die Rückkehr von Abschlussklassen in den Wechselunterricht an Schulen wird von Lehrern und Schülern zum Teil heftig kritisiert. Der Distanzunterricht per Videokonferenz habe sich sehr gut eingespielt. Da die Lehrer jetzt einen Teil der Jugendlichen wieder vor Ort in der Schule unterrichten müssen, fällt der Videounterricht nach Einschätzung der Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der Bayerischen Gymnasien für viele Schüler zu Hause aus. Denn die Internetverbindung an den Schulen reiche dafür nicht aus. „Eine Mischung aus Wechselunterricht für die einen und gleichzeitig Distanzunterricht für die anderen ist praktisch nicht möglich und erzeugt Verunsicherung und im schlimmsten Fall Chaos“, kritisierte der Landesvorsitzende Walter Baier. „Dies war eine mehr als unglückliche Entscheidung zur falschen Zeit.“
Am Münchner Sophie-Scholl-Gymnasium sind die Reaktionen der Schülerinnen gemischt. „Ich hätte lieber Homeschooling“, sagt Abiturientin Alicia Müller (18). Ihre Mitschülerin Clara von Limburg (19) sagt: „Ich finde es besser als im Homeschooling. In letzter Zeit bin ich deutlich schlechter geworden. Vor dem Lockdown war ich in jedem Fach zweistellig, heute habe ich in Deutsch drei Punkte bekommen.“ Julia Schneider (18) sagt: „Hier sehe ich mehr Leute, zu Hause haben mit die sozialen Kontakte gefehlt.“
Ein Thema, was die Schüler umtreibt, ist die Maskenpflicht. Man sollte den Sportunterricht streichen, findet Alicia Müller. „Man schwitzt unter der Maske und der Abstand lässt sich leider überhaupt nicht einhalten.“ Auch der Landesschülerrat, die offizielle Vertretung der Schüler auf Landesebene, hat eine Meinung zu den Masken: „Wenn im ÖPNV und in den Supermärkten FFP2-Masken getragen werden müssen, warum gilt dann nicht auch auf den Bewegungsflächen in der Schule eine FFP2-Maskenpflicht?“, fragt sich Moritz Meusel, Koordinator des Landesschülerrates.
Der Bayerische Philologenverband forderte die Bereitstellung von genügend FFP2-Masken für Lehrer und Schüler. Einfache Mund-Nasen-Bedeckungen an Schulen müssten verboten und OP-Masken als Standard eingeführt werden.
In Nürnberg verweigerten die Abiturienten von sieben Schulen gestern den Präsenzunterricht. Sie begründeten das mit den Corona-Mutationen. Sie sagten, sie fühlten sich gezwungen, sich zwischen Bildung und Gesundheit entscheiden zu müssen. SIMON JACOB / DIRK WALTER