Die Schwierigkeiten der Notbetreuung

von Redaktion

VON CLAUDIA SCHURI

München – Arbeit, Kinderbetreuung, Heimunterricht – nicht alle Familien können das stemmen. Für Kinder zwischen der ersten und sechsten Klasse und Schüler von Förderschulen wird deshalb eine Notbetreuung angeboten. Rund 4,5 Prozent der berechtigten Schüler nutzen diese laut den Zahlen des Kultusministeriums, das sind rund 76 500 Kinder. „Es gibt eine deutliche Steigerung, je länger der Distanzunterricht dauert“, sagt Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Das ist auch der Eindruck der Schulen. „Die Nachfrage nach der Notbetreuung hat zugenommen“, berichtet Sabine Bösl, Leiterin der Quirin-Regler-Grundschule in Holzkirchen (Kreis Miesbach). Von rund 300 Schülern werden im Schnitt 20 bis 30 betreut. „Die Kinder erledigen die Aufgaben, die sie von ihren Lehrern erhalten“, sagt sie. „Es helfen alle Lehrkräfte zusammen, um Distanzunterricht und Notfallbetreuung zu stemmen.“ Ziel sei, dass alle Kinder die nötige Unterstützung bekommen. Das betont auch Monika Bauer, Leiterin der Grundschule am Isardamm in Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen), wo 45 von 440 Schülern die Notbetreuung nutzen. „Die Schularbeiten sollen am Vormittag erledigt werden“, erklärt sie. „Mittlerweile hat es sich gut eingespielt.“ Fachlehrer betreuten die Gruppen und stünden bei Fragen bereit. Auch bei der täglichen Videokonferenz seien in Geretsried die Kinder der Notbetreuung dabei. Doch nicht überall ist so etwas möglich, berichtet Simone Fleischmann. Die Belastung für Lehrer und Betreuer sei hoch und zum Teil fehle es an der Ausstattung: „Es braucht zum Beispiel funktionierende Endgeräte und WLAN.“ Sie erklärt: „Notbetreuung ist per Gesetz Betreuung und kein Unterricht.“ Das ergibt auch eine Anfrage der FDP-Fraktion an das Kultusministerium. Schüler könnten sich in der Notbetreuung „je nach den technischen und personellen Voraussetzungen“ am Online-Unterricht ihrer Klasse beteiligen, heißt es in der Antwort. „Ein Anspruch darauf besteht aber nicht.“ Das sei „Totalversagen“, kritisiert FDP-Landtagsabgeordnete Julika Sandt. „Kinder haben eine Schulpflicht und der Staat hat die Verpflichtung, Unterricht sicherzustellen – gerade auch für Kinder, die es von Haus aus besonders schwer haben.“ Kinder aus sozial schwachen Familien würden doppelt benachteiligt, wenn sie in der Notbetreuung nicht gefördert würden. Es gebe zwar „viele hochengagierte Lehrer“ – doch die würden nicht ausreichend bestärkt.

Der Unmut ist auch bei einer Grundschullehrerin aus dem Raum München groß, die anonym bleiben möchte. „Wir schleppen uns mit Krankheit und Burnout in die Arbeit, nur um unseren Kollegen durch Mehrbelastungen nicht zu schaden“, berichtet sie. In der ersten Klasse seien bis zu zehn Kinder in der Notbetreuung – nicht alle Eltern hätten triftige Gründe. „Sie erwarten von uns, dass wir ihre Kinder bevorzugt beschulen, ihnen heimlich Unterrichtsstoff beibringen, eventuell etwas Nachhilfe leisten.“

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