Ettal – Das Internat des Klostergymnasiums in Ettal (Kreis Garmisch-Partenkirchen) wird mit Beginn des Schuljahres 2023/24 geschlossen. Das gab Abt Barnabas Bögle nun in einem Brief an Eltern, Schüler und Lehrer bekannt. Nach schon längeren und ernsthaften Überlegungen, schreibt der Abt, habe sich das Kloster dafür entschieden, den Betrieb des Internats zum Ende des Schuljahres 2023/2024 einzustellen. Das Gymnasium und das Tagesheim sind davon nicht betroffen. Sie werden stattdessen modernisiert.
Das Internat hat eine sehr traditionsreiche, 300-jährigen Geschichte. Abt Placidius II. Seitz legte am 7. August 1710 den Grundstein für Schule und Internat. Anfang 1900 entwickelte sich daraus das humanistische Gymnasium und das Internat. Franz Herzog von Bayern, Oberhaupt des Hauses Wittelsbach, der US-Experte Stephan Bierling oder Hamburgs früherer Bürgermeister Klaus von Dohnanyi ließen sich in der Elite-Schmiede ausbilden. Doch das ist Vergangenheit.
Während in den 1980er-Jahren teilweise noch über 200 Schüler das Internat besuchten, hat das Kloster seither mit rückläufigen Zahlen zu kämpfen. 2009 wurden nur noch 13 Fünftklässler angemeldet, 2014/2015 kein einziger mehr. „Trotz aller Bemühungen“, sagt Bögle, „konnten wir keine Trendwende erreichen.“ Das Internat sei mit derzeit etwa 30 Schülern sowohl aus organisatorischen wie betriebswirtschaftlichen Gründen nicht mehr zu führen. „Wir sehen uns personell und finanziell nicht in der Lage, das Internat dauerhaft an die stetig wachsenden Rahmenbedingungen anzupassen“, betont der Abt. Zumal die Corona-Krise die Kloster-Betriebe stark treffe.
Ein Hauptgrund für den Schülerrückgang, so gibt das Kloster unumwunden zu, ist der Missbrauchsskandal von 2010. Ettal ist auch nicht das einzige Kloster, das sein Internat schließt. In den vergangenen Jahren sperrten zum Beispiel die Internate in den Klöstern Steinfeld/Eifel oder Metten/Niederbayern zu. Ihnen setzt der Ausbau der Ganztagesbetreuung an den staatlichen Schulen zu.
Bewusst wurde der Zeitpunkt für das Ende auf den Sommer 2024 gelegt. Dann läuft das achtjährige Gymnasium aus. „So ist ohnehin eine natürliche Zäsur vorgegeben“, sagt Bögle. Immerhin seien die Schülerzahlen beim Gymnasium und dem angeschlossenen Tagesheim stabil bis ansteigend. Hier werde ein sechsstelliger Betrag investiert. MANUELA SCHAUER