Der Lockdown für die Hühner

von Redaktion

VON NINA PRAUN

Weßling/Herrsching – „Ihnen geht’s gut“, sagt Sieglinde Wastian über ihre Hühner. 400 Stück leben auf dem Hof der Landwirtin in Oberpfaffenhofen, einem Ortsteil von Weßling im Kreis Starnberg. Und sie dürfen nun nicht mehr frei umherlaufen. Im Landkreis gelten sei dem 26. Januar erhöhte Schutzmaßnahmen samt Aufstallpflicht, wegen der Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt. Denn die „Hochpathogene Aviäre Influenza“ wurde hier bei Wildvögeln nachgewiesen – wie auch in den Landkreisen Passau, Haßberge und Landsberg am Lech.

Den Starnberger Landwirten sind die Schutzmaßnahmen allerdings nicht unbekannt: Schon vor vier Jahren mussten sie ihr Geflügel einsperren, weil das Virus ihren Landkreis erreicht hatte. „Wir haben das ja damals schon alles mitgemacht“, erklärt Wastian. „Eigentlich habe ich also gar keine Sorge.“ Ihre Hühner etwa können auch jetzt noch in eine Voliere hinaus, die überdacht ist und sie somit vor dem Kontakt mit Wildvögeln schützt. „Da kommen sie auch an die frische Luft, das ist also gar kein Problem“, sagt Wastian.

Ähnlich entspannt beurteilt Magnus Ruhdorfer die Lage. „Angst habe ich grundsätzlich nicht“, erklärt er. Der Landwirt aus Rausch, einem Ortsteil von Herrsching, hält etwa 6000 Hühner. Auch sie profitieren nun von einer Außenvoliere. „Und unser Stall ist sowieso größer, als er sein müsste, das war der Sache schon immer zuträglich“, sagt Ruhdorfer. Denn: „Geht’s dem Huhn gut, dann geht’s dem Bauern gut.“ Die anderen Hygiene-Maßnahmen sind für ihn sowieso gang und gäbe, erklärt er: „Das ist nichts Neues für uns, wir haben das ja gelernt.“

Auch die Landwirte mit Schweinehaltung müssen sich derzeit wegen einer Seuche wappnen: der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Noch aber gibt es keinen bestätigten Fall in Bayern, das Umweltministerium setzt nach eigenen Angaben auf Hunderte Kilometer Zaun, eine Hundestaffel, Drohnen, Wärmebildkameras und finanzielle Anreize für Jäger, die den Bestand der Wildschweine reduzieren sollen – denn im vergangenen September wurde ASP erstmals in Deutschland nachgewiesen – bei einem Wildschwein-Kadaver in Brandenburg.

Eine unsichere Zeit für die bayerischen Landwirte. Deshalb hat Ruhdorfer auch einen Appell an alle privaten Geflügelhalter: „Ich will dafür plädieren, dass wirklich jeder seine Tiere registriert“, betont er. „Das Veterinäramt ist ein wunderbarer Ansprechpartner, da wird keiner bestraft, wenn er sich jetzt erst meldet.“ Denn nur über eine Registrierung kann das Landratsamt die Geflügelhalter erreichen – und somit warnen. „Wir haben alle Geflügelhalter per Mail oder per Post über das Inkrafttreten der Aufstallungsverordnung informiert“, erklärt ein Sprecher des Starnberger Landratsamtes. „Die Haltung von Geflügel muss bei uns unter anderem aus diesen Gründen gemeldet werden.“

Allerdings ist unklar, wie hoch die Dunkelziffer der Privatpersonen ist, die ihre Hühner nicht gemeldet haben. Derzeit sind im Landkreis 377 Geflügelhalter gemeldet, mit 27 203 Tieren, darunter 26 658 Hühner. Davon allerdings haben nur 34 Geflügelhalter mehr als 50 Hühner – es haben sich also viele Privathalter bereits registriert.

Die Frage ist, wie gut diese mit den derzeitigen Auflagen zurechtkommen. „Es ist ja wirklich schön, wenn im eigenen Garten ein paar Hühner herumlaufen“, sagt Wastian. „Aber ich möchte wirklich an die privaten Hühnerhalter appellieren, die Hühner jetzt im Stall zu lassen – sonst haben wir ein Problem.“ Und mittlerweile sollten diese Schutzmaßnahmen auch jedem bekannt vorkommen. „Das ist jetzt dasselbe wie bei den Menschen“, sagt Ruhdorfer. „Es gibt eine gefährliche Viruserkrankung, und deswegen muss man zu Hause bleiben.“ Der Lockdown für Hühner eben.

Artikel 9 von 10