Corona-Pandemie sorgt für Boom der Bio-Landwirtschaft

von Redaktion

München – Die Trends waren deutlich: In Zeiten von Homeoffice und geschlossener Gastronomie kochten 2020 viele Bayern häufiger selbst. Und: „Wer selbst entscheidet, was zu Hause auf den Tisch kommt, entscheidet sich häufiger für Bioprodukte.“ Das berichtete Hubert Heigl, Landwirt und Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) im Vorfeld der heuer nur online stattfindenden Messe BioFach.

Vergangenes Jahr ist die Biobranche in Bayern weiter gewachsen. Laut dem Landwirtschaftsministerium sind über 400 Betriebe mit rund 15 000 Hektar Fläche neu in den Öko-Landbau eingestiegen. Mittlerweile bewirtschaften rund 11 000 Öko-Betriebe über 380 000 Hektar Fläche – das sind rund zwölf Prozent der gesamten Nutzfläche. Die Zahl der Mitglieder in den ökologischen Anbauverbänden Naturland, Bioland, Biokreis und Demeter stieg 2020 um knapp 2,5 Prozent auf 7140 Betriebe an.

Bayerisches Ziel ist es, dass bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent der Fläche biologisch bewirtschaftet wird. „Die Richtung stimmt“, erklärte Heigl. Jetzt müssten politisch die richtigen Weichen gestellt werden. „Wir brauchen Mittel und Personal für Forschung und Beratung zum Ökolandbau.“ Zudem müssten öffentliche Kantinen und Mensen mehr Biogerichte auf die Speisekarten setzen. Und: „Die Förderung des Öko-Landbaus sollte zentrales Ziel der Agrarpolitik sein. Die Leistungen der Biobauern für Umwelt, Klima und Tierschutz müssen honoriert werden.“

Nach wie vor gebe es viele Herausforderungen, sagte auch Sophie Schweisfurth, Geschäftsführerin der Herrmannsdorfer Landwerkstätten in Glonn (Kreis Ebersberg). Eine sei zum Beispiel die Organisation von Hofübergaben. „Wir dürfen die kleinen ökologischen Betriebe nicht außer Acht lassen.“ Positiv sei, dass sich bei den Verbrauchern ein Wertewandel abzeichne. „Das Thema Gesundheit spielt bei vielen eine große Rolle.“

Darauf weist auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) hin. Vor allem der Bereich der Bio-Milch, der in den vergangenen Jahren stagnierte, werde nun stärker nachgefragt. Molkereien hätten zusätzliche Bio-Milch-Lieferanten aufgenommen. „Ich gehe davon aus, dass wir diesen Effekt erst in diesem Jahr richtig spüren werden“, sagte sie. Ziel müsse es nun sein, den Boom über die Pandemie hinaus zu verstetigen.

Es gibt große Visionen: „Wenn man Ernährung und Landwirtschaft gemeinsam denkt, wäre eine Sicherstellung der Ernährung durch 100 Prozent Ökolandbau möglich“, glaubt Heigl. Voraussetzung sei weniger Lebensmittelverschwendung. cla

Artikel 5 von 11