Frauen wollen Kirche von innen ändern

von Redaktion

VON CLAUDIA MÖLLERS

München – Es ist eine Bewegung, die sich aus dem einst erzkatholischen Münster langsam Richtung Süden vorgearbeitet hat. Vor zwei Jahren haben einige Katholikinnen der westfälischen Domstadt die Initiative gegründet, um dem stillschweigenden Auszug aus der Kirche etwas entgegenzustellen. Jetzt haben sich Frauen und Männer in der bayerischen Landeshauptstadt der Bewegung angeschlossen. Bereits zweimal haben digitale Treffen stattgefunden, das Knüpfen von Netzwerken hat begonnen.

„Es ist uns ein Anliegen, dass unsere Kirche menschlicher wird“, sagte die Sprecherin der Initiative, Renate Spannig aus München, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die 55-jährige Sozialpädagogin und Caritas-Mitarbeiterin hatte im September vergangenen Jahres die Initiatorinnen von „Maria 2.0“ in Münster besucht. „Da ist mit klar geworden, das sind kluge, gläubige Frauen, denen die Kirche ein Anliegen ist und die die Kirche nicht bekämpfen wollen.“ Schon Spannigs Eltern hatten in den 70er-Jahren priesterlose Gottesdienste gefeiert, sie selber hat als jugendliche BDKJlerin in den 90er-Jahren in Regensburg für den Diakonat der Frau gekämpft.

Spannig hatte die Hoffnung auf Änderungen schon fast aufgegeben. Sie fragte sich, ob sie es guten Gewissens noch vertreten könne, in der katholischen Kirche zu bleiben. „Ich will auch als Frau im Jahr 2021 nicht ständig gesagt bekommen: Du darfst nicht predigen oder bekommst bestimmte Positionen nicht.“

Doch „Maria 2.0“ hat den Kampfgeist der Münchnerin neu entfacht und sie betont auch: „Ich bin ja gerne in der katholischen Kirche.“ Inzwischen gehören rund 40 Frauen und Männer zu der Gruppe, viele um die 50 Jahre alt. Aber auch eine 14-Jährige und Studentinnen sind dabei. Unterstützer sind Vertreter von „Wir sind Kirche“, die „Ordensschwestern für Menschenwürde“, Mitglieder vom Kolpingverband, dem Bund Neudeutschland, Mitglieder des Katholikenrats der Region München. „Maria 2.0“ hat keine Verbandsstruktur, versteht sich als „Graswurzelbewegung“. Diese Offenheit ermögliche vor Ort große Flexibilität.

Doch „Maria 2.0“ wird auch kritisch betrachtet von den Gläubigen, die Reformen in der Kirche ablehnen. Nachdem die Bewegung im November in Köln gegen das Verhalten von Kardinal Rainer Maria Woelki in der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals protestiert hatte, soll der Vatikan die Reformbewegung auf „Anregung“ aus Deutschland unter die Lupe genommen haben. Die Kongregation für die Glaubenslehre beschäftige sich mit der Initiative, so die FAZ. Die Frauen bekamen Rückendeckung von einem Mann: Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, sagte: „Ich bin sehr beeindruckt davon, wie sehr sie sich als eine Bewegung für die Kirche verstehen. Das ist alles andere als irgendeine Revoluzzer-Truppe.“

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