München – Die „Schule darf kein Versuchslabor sein“, lautet die Direktive von Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Ganz aber kann sich auch Bayern dem Druck der Eltern nicht verweigern. Mitten im Lockdown dürfen die Schüler zum Teil zurückkehren. Ab 22. Februar können nach den Abschlussklassen am Gymnasium auch die an der Realschule (10. Klasse) sowie an der Mittelschule (9./10. Klasse) im Wechselbetrieb unterrichtet werden, kündigten Söder und Kultusminister Michael Piazolo (FW) gestern an. Auch für die Kinder an den Grundschulen (Klassen 1 bis 4) sowie an den Förderschulen gibt es wieder Wechselunterricht. Voraussetzung ist in allen Fällen, dass die Inzidenz im jeweiligen Landkreis/Stadt unter 100 liegt. Insgesamt kehren etwa 40 Prozent der Schüler wechselweise in die Schulen zurück. Ebenso öffnen die Kitas für den „eingeschränkten Regelbetrieb“, wie Söder das nannte. Hier ist die Rückkehr allerdings freiwillig – wer sein Kind daheim lässt, zahlt auch weiterhin keinen Kita-Beitrag. Auch an den Schulen soll „großzügig“ Beurlaubung genehmigt werden, wenn Kinder aus Angst vor Ansteckung lieber daheim bleiben wollen. Piazolo rief die Schulen dazu auf, die Rückkehr als „Phase des Ankommens“ zu gestalten. „Ich will nicht, dass am ersten Tag Leistungserhebungen stattfinden.“
SPD und Grüne begrüßten die schrittweise Öffnung der Schulen, mahnten jedoch eine Perspektive für weitere Jahrgänge an. „Was ist mit den anderen, für die der Distanzunterricht weitergeht“, fragte die Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel. „Wo ist die Perspektive?“ Unklar ist auch der Zeitpunkt, ab dem es Corona-Selbsttests für Schüler und Lehrer geben soll: zwei freiwillige Testungen pro Woche beim Personal, ein Selbsttest für Schüler ab 15 Jahren, wie Piazolo gestern ankündigte. Ein Datum nannte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) aber nicht, zudem gibt es offenbar rechtliche Fragen. Anders ist es in Österreich: Dort sollen sich Volksschüler zwei Mal wöchentlich selbst testen, die Test-Kits eines chinesischen Anbieters stellt der Bund zur Verfügung. Ganz sicher ist das Verfahren freilich nicht, wie österreichische Wissenschaftler warnen: Die Tests schlagen offenbar nur bei hoher Virenlast an, da der Abstrich – um die Schüler nicht zu malträtieren – nur aus dem vorderen Nasenbereich entnommen wird.
Für die bayerischen Schüler wird es weiterhin keine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske geben. Piazolo empfahl den Schülern aber medizinische OP-Masken. Für das Personal an Schulen stellt die Staatsregierung laut Kabinettsbeschluss medizinische Masken unentgeltlich zur Verfügung – für das Kita-Personal als „einmalige und freiwillige Leistung“.
Ärger gibt es weiterhin um die versprochenen Computer für Lehrer. Kaufen müssen die Dienstgeräte die Kommunen als Schulträger, der Freistaat gibt das Geld. So die Theorie. Der Städtetag kritisiert umständliche Beschaffungsverfahren und schiebt die Schuld dem Kultusministerium zu. So sei die veranschlagte Summe von 1000 Euro pro Gerät zu gering, sagte Städtetags-Chef Markus Pannermayr (CSU), weil allein 250 Euro für Wartung und Verwaltung abzuziehen seien. Nötig seien wohl 1300 Euro. Außerdem reicht das Geld nur für 92 000 Geräte, gebraucht werden laut Städtetag aber bis zu 140 000. In Straubing, wo Pannermayr Oberbürgermeister ist, wurde bisher kein einziges Lehrerdienstgerät gekauft.
Eine positive Nachricht für ganz andere Schulen am Rande: Ab dem 22. Februar sind wieder Fahrunterricht und Führerscheinprüfungen in Bayern möglich – sowohl Theorie als auch Praxis.