Der Ferien-Streit

von Redaktion

VON DIRK WALTER

München – „Herr Minister Piazolo, nehmen Sie die Streichung der Faschingsferien zurück“ – mit dieser Aufforderung hat die Lehrergewerkschaft GEW das Netz aktiviert. Über „Open Petition“ sammelte die GEW über 36 000 Unterschriften für die Beibehaltung der Ferien, die nach einer Verfügung von Ministerpräsident Markus Söder und Kultusminister Michael Piazolo (FW) ausfallen. Genutzt hat die Petition nichts – Piazolo hat klar- gestellt, dass die Woche genutzt werden soll, um ausgefallenen Unterricht nachzuholen. Auch mehrere Anläufe von SPD und Grünen, ihn umzustimmen, scheiterten.

Schule also wie bisher? Offenbar nicht ganz. Unsere Redaktion erreichten Berichte, nach denen Schulleiter diverser Schulen – von Grundschule bis Gymnasium – ihren Lehrern geraten haben, es diese Woche etwas langsamer angehen zu lassen. Keine Hausaufgaben, weniger Videokonferenzen, teils werden ganze Schultage gestrichen und nur die Notbetreuung aufrecht erhalten. Der Grünen-Schulpolitiker Max Deisenhofer, selbst früher Lehrer, bestätigt das: „Das kann man unter den Lehrern schon raushören – und es wundert mich nicht.“ Erstens hätten alle Beteiligte nach den anstrengenden Distanzlern-Wochen Ferien verdient; ihre Abschaffung sei falsch. Zweitens aber seien die Vorgaben für den Distanzunterricht „schwammig“ und viel ins Ermessen der Lehrer gestellt. Sie könnten Spielräume nutzen.

Auch die Stadt München reagiert: „Am Dienstag ist um 12 Uhr Schluss“, bestätigt ein Sprecher des städtischen Schulreferats. Begründet wird das damit, dass auch sämtliche städtischen Behörden – von der Müllabfuhr bis zum Standesamt – an diesem Tag ab 12 Uhr Büroschluss haben.

Sicher ist aber auch: Das Kultusministerium ist alarmiert. Kultusminister Michael Piazolo hatte noch am Donnerstag auf die Frage von „Antenne Bayern“ eher verwundert reagiert: „Es ist normaler Unterricht, kein Wiederholen.“ Sein Sprecher brachte nun aber gegenüber unserer Zeitung die Schulaufsicht ins Spiel, falls „in einzelnen Fällen kein entsprechendes Unterrichtsangebot aufrecht erhalten“ werde.

Derweil hat die neue GEW-Landesvorsitzende Martina Borgendale eine neue Aktion gestartet: Der Unterricht während der Ferien sei angeordnete Mehrarbeit. „Deshalb empfehlen wir allen Lehrerinnen und Lehrern in Bayern, einen Antrag auf Vergütung von Mehrarbeit zu stellen.“ Die Konkurrenz vom BLLV hält davon nichts. „Während andere im derzeitigen Lockdown um ihre berufliche Existenz fürchten und von finanziellen Sorgen aufgefressen werden, fordern Lehrerinnen und Lehrer die Bezahlung von Mehrarbeit???“, schreibt die BLLV-Abteilung Dienstrecht und Besoldung an die Mitglieder. Der Aufruf entbehre „jeglicher rechtlicher Grundlage“, die GEW leiste den Lehrern damit „einen Bärendienst“.

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