München – Blauer Himmel, Sonnenschein und sibirische Temperaturen. Der Winter hatte am Wochenende ganz Bayern fest im Griff. Doch während die einen die Gunst der Sonnenstunden nutzten, um auf zugefrorenen Seen spazieren oder Schlittschuhlaufen zu gehen, kämpften in den Berchtesgadener Alpen Bergretter um das Leben eines abgestürzten Skibergsteigers. Das eiskalte Wochenende im Freistaat im Überblick:
See-Vergnügen
Vielerorts in Bayern sind kleinere Seen und Badeweiher mittlerweile zugefroren. Der Eibsee und Rießersee (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) zum Beispiel oder der Langbürgner See (Landkreis Rosenheim) und der Tachinger See bei Tettenhausen (Landkreis Traunstein). Tausende nutzten das schöne Wetter für einen Spaziergang auf dem See, für eine familien-interne Eishockey-Partie oder eine paar ausgedehnte Schlittschuh-Runden.
Teilweise waren die Retter allerdings in Hab-Acht-Stellung, etwa im Landkreis Starnberg: „Es ist sehr viel los aus dem Wörthsee“, sagt Andreas Fischer, Technischer Leiter der Kreiswasserwacht Starnberg. Die meisten Besucher seien auch vernünftig und blieben in den Buchten und in Ufernähe. „Aber es gibt doch einige, die auf den See bis zur Eisgrenze hinausmarschieren, um die Enten zu füttern“, sagt Fischer. „Bei so viel Unvernunft kann man nur darauf warten, dass etwas passiert.“
Auf dem Schliersee warnte die Wasserwacht per Facebook: „Betreten der Eisfläche verboten – Lebensgefahr!“. Die Warnung verhallte ungehört. Am Sonntagnachmittag tummelten sich Dutzende Menschen auf dem Eis, darunter viele Senioren und Eltern mit Kindern.
Kein Trinkwasser
Ab 8 Uhr Sonntagmorgen waren weite Teile Herrschings und des Ortsteils Wartaweil (Landkreis Starnberg) für einige Stunden von der Wasserversorgung abgeschnitten, darunter auch eine Klinik und Seniorenheime. Ein Hochbehälter war aufgrund eines Wasserrohrbruchs leergelaufen. Da sich das Leck in der Nähe der Bahngleise befand und man von der Gefahr einer Unterspülung der Gleise ausgehen musste, wurde der S-Bahn-Verkehr bis zum Mittag eingestellt. Der Schaden am Rohr konnte jedoch schnell behoben und vor allem die Klinik schnell wieder versorgt werden. Ob die PVC-Leitung aufgrund von Materialermüdung oder durch Spannungen aufgrund der tiefen Temperaturen gebrochen ist, ist unklar.
Bergsteiger abgestürzt
Der 27-jährige Skibergsteiger war am Samstag mit einer Gruppe am Kehlstein in den Berchtesgadener Alpen unterwegs. Bei einer Abfahrt kam er vom Weg ab und stürzte rund 100 Meter tief eine steile Felsenrinne hinab. Schwer verletzt blieb der Mann am Fuß der Wand liegen. Seine Begleiter alarmierten die Bergrettung. Der Helm des 27-Jährigen wurde bei dem Sturz völlig zerstört, hat ihm aber, so vermutete ein Sprecher des Bayerische Roten Kreuzes (BRK), das Leben gerettet. Per Hubschrauber gelang es den Rettern, den Mann zu bergen. Er wurde in das Salzburger Landeskrankenhaus gebracht.
Der kälteste Ort
Gefühlt war es in Bayern überall bitterkalt. Selbst in der Münchner Innenstadt hatte es in der Nacht von Samstag auf Sonntag minus 10 Grad. Aber es ging noch kälter: In Oberstdorf im Allgäu waren es minus 21 Grad. Am kältesten war es in dieser Nacht jedoch in Unterfranken. Bad Königshofen meldete minus 22 Grad.
Eiszapfen-Verkauf
Normalerweise verkauft Michael Gröner auf dem Wochenmarkt im Coburg Gemüse, Obst und Blumen. Doch dafür war es zu kalt, die Ware wäre kaputt gegangen. Weil Gröner seinen Stand dennoch öffnen wollte, bot er kurzerhand Eiszapfen und Pulverschnee an – „damit die Leute mal wieder was zum Lachen haben.“ Die Eiszapfen gab’s natürlich umsonst.
oss, grä, mas, dpa