Der Brücken-Bauer

von Redaktion

VON DOMINIK GÖTTLER

Allershausen – Als sich herumgesprochen hatte, dass Ralf Huber die Wahl gewonnen hatte, standen die Nachbarn mit einer Flasche Sekt vor der Tür. Auf seinem Hof am Ortsrand von Allershausen im Kreis Freising stimmt das Verhältnis mit den Anwohnern. „Ich glaube, so ist das bei den meisten Bauern vor Ort“, sagt Huber. Nur in der politischen Debatte, da sei es mit dem guten Ruf der Bauern und ihren Berufsvertretern nicht weit her. Das will er ändern.

Vergangene Woche ist der 54-Jährige überraschend zum neuen Bezirkspräsidenten in Oberbayern des Bayerischen Bauernverband gewählt worden. Ein Bekannter hatte ihm noch prophezeit: „Bio-Bauer, evangelisch, geschieden, dich räumen sie weg.“ Doch dann setzte er sich mit 60 Prozent der Stimmen gegen Wolfgang Scholz durch, der sich als Milchpräsident und langjähriger Verbandsfunktionär große Hoffnungen gemacht hatte. Wer ist der Mann, der nun knapp 30 000 Betriebe im größten Bezirksverband Bayerns repräsentiert?

Im Februar ist es beim „Schuabauer“ in Allershausen relativ ruhig. Maschinenpflege und etwas Waldarbeit stehen an, ehe der Frühling anbricht. Denn Huber ist ein reiner Ackerbauer. Gemeinsam mit seinem 31-jährigen Sohn bewirtschaftet er einen Betrieb mit mehr als doppelt so viel Fläche wie der bayerische Durchschnittsbauernhof. Er baut vor allem Getreide an. Weizen, Roggen, Dinkel und Hafer zum Beispiel, aber auch Soja oder Erbsen. Hauptsächlich vermehrt Huber Saatgut, in Zusammenarbeit mit Züchtern und dem Naturlandverband. Außerdem beliefert er mit seinem Getreide die Münchner Hofpfisterei.

Der Schuabauer-Hof hat bewegte Zeiten hinter sich. Hubers Vater stellte nach der Wiedervereinigung auf Bio um, mästete Kälber für Babynahrungshersteller Hipp. „Uns hat der Markt umgestellt“, sagt Huber heute. Als Hipp sich neue Lieferanten suchte, versuchte sich Huber in der Bio-Schweinemast. Aber als er hätte aussiedeln müssen, um den nötigen Platz zu schaffen, verließ ihn der Mut. Also Ackerbau. Auch das war anfangs schwierig. Huber dachte ans Aufgeben. Mittlerweile boomt die Bio-Branche. Und Ralf Huber hat seinen Weg gefunden.

Neben der Arbeit auf dem Hof erhebt Huber, der keiner Partei angehört, das Wort für seinen Berufsstand. Beim Bauernverband bislang als stellvertretender Kreisobmann. Aber auch bei der Basisbewegung „Land schafft Verbindung“. Huber war mit dabei, als die Traktoren vor den großen Lebensmitteleinzelhändlern auffuhren. Er war bei den Demos in Berlin und am Odeonsplatz, ist Teil des Organisatorenteams in München. Huber sagt, dass „Land schafft Verbindung“ die jungen Bauern stärker mobilisiere als der Bauernverband, den er trotzdem für einen „geilen Verein“ hält. Ob der Bauernverband diese Entwicklung verschlafen hat? „Jetzt bin ich ja da“, sagt Huber und lacht. Er werde seinen Teil dazu beitragen, dass die Bauernschaft künftig wieder mit einer Stimme spricht. „Dazu müssen wir aber beim Bauernverband die Mitglieder wieder besser erreichen.“

Einstehen will er für die Belange seiner Berufskollegen, die auch bei den Traktorprotesten immer wieder angesprochen werden. Die hohen Anforderungen der Gesellschaft müssen honoriert werden, fordert er. Freiwillige Bemühungen der Landwirte dürften nicht durch Verbote oder durch ausländische Billigware torpediert werden. Auch der Handel und die Zwischenverarbeiter müssten beim Wunsch nach mehr Bio und mehr regionaler Ware in die Pflicht genommen werden, nicht nur die Bauern. Das sind Forderungen, die man kennt aus dem Verband.

Doch auch im eigenen Berufsstand sieht er Nachbesserungsbedarf. „Wir müssen die Produktion ändern und beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle einnehmen.“ Beim Aufbau von Humus im Boden, der CO2 speichert, könne die Landwirtschaft einen großen Beitrag leisten. „Schließlich ist für niemanden die Umwelt so wichtig wie für uns. Sie ist unser Kapital.“ Bei den jungen Landwirten sieht er großes Potenzial. „Die sind viel umweltbewusster als meine McDonalds-Generation.“ In der Klimafrage kann sich Huber sogar den Schulterschluss mit den Umweltschützern vorstellen. „Wenn es wirklich ein Volksbegehren zum Klimaschutz geben würde, warum sollten wir Bauern uns daran nicht beteiligen?“

Mit Jungbauern zu mehr Klimaschutz

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