Dachau – Die promovierte Politikwissenschaftlerin Erika Tesar leitet das Büro des Stiftungsdirektors Karl Freller seit über fünf Jahren. Jetzt soll sie spätestens zum 1. April die pädagogische Leitung der KZ-Gedenkstätte übernehmen. Der Personalrat der Gedenkstätte hat sein Veto eingelegt, doch ob das zählt, ist unklar. Die Unruhe unter Mitarbeitern ist groß, manche befürchten, dass der Ruf der Gedenkstätte durch Gefälligkeits-Beförderungen beschädigt wird. Zwischen Freller, der auch CSU-Abgeordneter ist, und Gabriele Hammermann, die die Gedenkstätte seit 2009 leitet, soll es ohnehin viele Meinungsverschiedenheiten geben. Hammermann fordert seit Langem mehr Geld für eine Neugestaltung. Die Gedenkstätte sei im Vergleich zu anderen Erinnerungsorten unterfinanziert. Auf die Frage, ob die promovierte Historikerin zur Disposition stehe, antwortet Freller nur: „Das ist jetzt nicht das Thema.“
Der Stellenstreit hat eine Vorgeschichte: Für die pädagogische Leitung hatte es Ende vergangenen Jahres eine reguläre Ausschreibung gegeben. Das Ergebnis, so sagt Freller gegenüber unserer Zeitung, habe aber niemanden überzeugt. Daraufhin habe er vorgeschlagen, eine interne Umbesetzung vorzunehmen und die Stelle mit Erika Tesar zu besetzen. Sie sei sehr qualifiziert, habe hochkarätige Veranstaltungen organisiert und sei zudem Nachkomme von jüdischen Holocaust-Opfern. Sie könne Wissen über den Holocaust authentisch vermitteln. „Ich finde, etwas Besseres kann uns gar nicht passieren.“
Rechtlich gibt es mehrere Hürden. Zum einen stellt sich der Personalrat quer. Freller hofft, dass das nicht so bleibt. Denn eine Umbesetzung sei bei einer Distanz der Dienststellen von weniger als 30 Kilometern zulässig – und von der Münchner Praterinsel, wo die Gedenkstätten-Stiftung ihre Büros hat, bis zur KZ-Gedenkstätte im Osten Dachaus sind es nur 17,65 Kilometer Luftlinie. Dass sich der Stiftungsrat mit der Personalie befasst, hält Freller für nicht notwendig. „Am Ende habe ich zu entscheiden.“
Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel sieht das anders. Sie nennt Frellers Entscheidung „ein Unding“ und will die Hintergründe über eine Landtags-Anfrage klären.