Flaue Gefühle begleiten Schulöffnungen

von Redaktion

München/Dachau – Bayerns Schüler freuen sich über Lockerungen – aber es schwingt auch Unsicherheit mit. In einer ganzen Reihe von Städten und Landkreisen schwankt die Inzidenz um den entscheidenden Wert von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen einer Woche. Zu spüren bekamen das gestern die Nürnberger Schulen: Wie fast überall kehrte ein Teil der Grundschüler gestern in ihre Klassenzimmer zurück – allerdings nur für einen Tag. Gegen Mittag verkündete Oberbürgermeister Marcus König (CSU) dann die schlechte Nachricht: Weil die Inzidenz am Montag bei 101,5 lag, müssen die Schulen mit Ausnahme der Abschlussklassen wieder zum Distanzunterricht zurückkehren. Leider entwickelten sich die Infektionszahlen nicht „wie vergangene Woche erwartet“, bedauerte König. In etlichen Landkreisen und Städten gibt es erst gar keine Öffnungschance: In Städten wie Hof und Weiden sowie Landkreisen wie Schwandorf, Wunsiedel oder Tirschenreuth blieben die Schulen gestern geschlossen. Passau kündigte aber an, ab Mittwoch wegen tendenziell fallender Zahlen zu öffnen.

In Oberbayern verlief hingegen alles nach Plan, auch wenn hier die Inzidenzwerte zumeist ebenfalls leicht steigen (Traunstein bei 91). Auch die achtjährige Antonia aus Dachau konnte gestern erstmals seit zwei Monaten wieder in die Schule gehen: sechs Stunden Mathematik, Deutsch, Heimat- und Sachunterricht. Die Lehrerin hatte auch ein Arbeitsblatt über „Meine Zeit zuhause“ vorbereitet – nach so langer Abwesenheit gehört Reflexion über das „Homeschooling“ einfach dazu. Antonias Mutter Christine Kreitmair-Biener ist froh, dass es zumindest mit der Jüngeren wieder losgeht mit Präsenzunterricht. Mulmige Gefühle angesichts steigender Infektionszahlen? „Ich verdränge das lieber“ sagt sie. „Ich denke, es ist wichtig, dass die Kinder wieder andere Kinder sehen. Und die Schule hat das mit Masken, Lüften und Wechselunterricht gut organisiert.“

Bund und Länder einigten sich am Montag auf der Gesundheitsministerkonferenz darauf, dass Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen schneller gegen das Coronavirus geimpft werden sollen als bislang vorgesehen. Sie sollen nun in der Impfverordnung in Prioritätsgruppe zwei statt in Gruppe drei eingestuft werden. Die Änderung solle möglichst schon bis Mitte der Woche umgesetzt werden, hieß es.

In Baden-Württemberg können sie jetzt schon Termine für eine Impfung vereinbaren. dw/dpa

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