Bund Naturschutz: Mehr Luchse auswildern

von Redaktion

VON SUSANNE SASSE

München/Nürnberg – Der Wolf ist anders als der Luchs – sehr viel mobiler und weniger scheu, er traut sich auch aus dem Wald und durch die Kulturlandschaften. Insofern schaffen es die Wölfe, sich zu verbreiten und ihre Populationen zu durchmischen. „Es gibt Beobachtungen, bei denen Wölfe innerhalb weniger Tage Hunderte von Kilometern wandern“, sagt Uwe Friedel vom Artenschutzreferat des Bund Naturschutz. Luchse dagegen haben einen viel kleineren Bewegungsradius, vor allem die weiblichen Tiere wandern nicht weit. Ein Problem, denn so leben die Bestände in Deutschland quasi isoliert.

„Dass das so kommt, wusste man noch nicht, als das Bayerische Umweltministerium im Jahr 2008 den Luchsmanagementplan veröffentlichte“, sagte BN-Artenschützer Friedel. Nach diesem ist die aktive Auswilderung der Pinselohren nicht vorgesehen, „man wollte prüfen, ob es der Luchs von alleine schafft, sich weiter zu verbreiten.“ Dies schafft er nicht, sagt Friedel – so viel sei inzwischen klar. So bestehe die Gefahr, dass der Luchs erneut ausstirbt. „Deshalb müssen wir neu über den Luchsmanagementplan nachdenken, damit die Wiederansiedlung auch dauerhaft gelingt“, sagt Friedel. Denn noch immer ist der Luchs sehr selten, in Bayern gab es vergangenes Jahr 13 Weibchen mit Nachwuchs, zwei mehr als im Jahr 2019.

Die zwei größeren Luchsvorkommen im Bayerischen Wald und im Harz trennen 350 beziehungsweise 500 Kilometer – je nachdem, wo man misst. „Es bräuchte Jahrzehnte, bis die Populationen sich auf natürlichem Weg verbinden – wenn überhaupt, wenn der Mensch nicht nachhilft, sorgt sich Artenschützer Friedel. Er erklärt: „Ein Luchsweibchen hat ein Revier von 50 bis 150 Quadratkilometern.“ Man gehe davon aus, dass ein junges Luchsweibchen um die zehn Kilometer entfernt von der Mutter ein neues Revier bezieht. Große Distanzen werden so nur langsam überwunden. „Wir fordern, hier nachzuhelfen und durch Auswilderung den Luchsbestand im Bayerischen Wald mit dem im Harz zu verbinden“, sagt Friedel. „Hier kann man gut eine Brücke schlagen, denn es gibt dazwischen eine Achse gut geeigneter Gebiete.“ Diese Verbindung der Luchsgebiete innerhalb Deutschlands solle der erste Schritt sein, um zu verhindern, dass der Luchs erneut ausstirbt.

Im zweiten Schritt sollen dann auch Luchse im Alpenraum ausgewildert werden, um die deutschen Populationen mit denen in der Schweiz und Österreich zu verbinden.

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