Die Oberpfalz fürchtet eine dritte Welle

von Redaktion

Regensburg – Die Situation auf den tschechischen Intensivstationen spitzt sich immer mehr zu. Täglich werden Patienten mit Krankenwagen und Rettungshubschraubern verlegt – teils über große Entfernungen. Vor wenigen Tagen warnte der stellvertretende Gesundheitsminister Vladimir Cerny, dass die Kapazitäten bald vollständig erschöpft sein könnten. Das Krankenhaus in Cheb in der Karlsbader Region, direkt hinter der bayerischen Grenze, ist bereits kollabiert. Im ganzen Karlsbader Kreis gibt es keine freien Betten mehr – und die Triage wird Wirklichkeit. „Wir Ärzte müssen entscheiden, wen wir noch behandeln können und bei wem die Prognosen schlechter sind“, sagte Stepán Votrocek, der Chef des Klinikums, gegenüber dem „Neuen Tag“ in Weiden. „Letztere bekommen nicht mehr die Behandlung, die sie eigentlich benötigen würden.“ Es ist das erste Mal in der Geschichte Tschechiens, dass diese Auswahl getroffen werden muss.

Der Karlsbader Kreis ist einer von insgesamt drei Regionen in Tschechien, die seit einigen Tagen wegen Inzidenzen von mehr als 1000 von der Außenwelt isoliert sind. Tests haben dort einen großen Anteil der britischen Virusmutation nachgewiesen. Besonders in Pilsen und Tachov steigen die Infektionszahlen seit Mitte Februar explosionsartig.

Und das wirkt sich trotz strenger Kontrollen an den Grenzen auf Bayern aus. Auch dort breitet sich die britische Variante immer weiter aus. Seit Anfang Februar ist bei knapp der Hälfte der Neuinfektionen die Mutation nachgewiesen worden – das waren 1742 von insgesamt 3609 gemeldeten Fällen. „Das bereitet mir große Sorge“, betont der Oberpfälzer Regierungspräsident Axel Bartelt. „Ob die dritte Welle damit bei uns nur an die Tür klopft oder bereits mitten im Zimmer steht, werden die nächsten Tage zeigen.“

Wie der „Neue Tag“ berichtet, sind in Tschechien aktuell mehr als 6500 Covid-19-Patienten in den Kliniken in Behandlung. Von ihnen müssen mehr als 1300 intensivmedizinisch behandelt werden. Die 7-Tage-Inzidenz liegt in Tschechien aktuell bei rund 700 – weit vor allen anderen europäischen Ländern.

Hilfsangebote aus Bayern oder Sachsen zur Übernahme von Covid-19-Patienten gibt es längst. Lange hatte der tschechische Premier Andrej Babis aber nicht darauf reagiert. Obwohl der Karlsbader Bezirkschef Petr Kulhánek seit Jahresbeginn um Hilfe bat. Erst vor wenigen Tagen hat Tschechien begonnen, über mögliche Hilfe aus dem Ausland zu verhandeln. Aus Deutschland liegt ein Angebot zur Übernahme von neun Intensivpatienten vor. Die Kliniken in den Oberpfälzer Regionen Tirschenreuth, Selb oder Hof wären nicht weit entfernt. Auch dort sind die 7-Tage-Inzidenzen weit von den niedrigen oberbayerischen Werten entfernt. Die Landkreise Wunsiedel und Tirschenreuth direkt an der Grenze haben deutschlandweit aktuell die höchsten Inzidenzen – beide liegen weit über 200.  mm/dpa

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