Polizist unter Missbrauchsverdacht

von Redaktion

VON LAURA FELBINGER UND ANDREAS THIEME

München – Die Mutter habe die Einsatzzentrale am Sonntag informiert, nachdem sie von den bereits länger zurückliegenden Vorfällen erfahren habe, teilte Polizeisprecher Andreas Franken mit. Der Tatverdächtige soll das Mädchen (derzeit immer noch minderjährig) wiederholt sexuell missbraucht haben. Bis zum vergangenen Wochenende lebte der laut Polizei über 55-jährige Beamte mit Mutter und Tochter zusammen im Münchner Umland. „Das macht die Sache umso brisanter und tragischer für die Angehörigen“, so Franken.

Die Beamten reagierten umgehend. Befragungen des Opfers erhärteten den Verdacht, am Nachmittag wurde der Mann festgenommen. Ein Ermittlungsrichter ordnete am Montag Untersuchungshaft an. Der Polizist war bis dato im mittleren Dienst ohne Leitungsfunktion tätig. „Bei hiesiger Behörde wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet“, teilt Andrea Mayer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II., mit.

Dem Münchner Polizeipräsidium zufolge hat die Personalabteilung ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Zudem wurde gegen den Tatverdächtigen mit sofortiger Wirkung ein Dienstverbot verfügt. In diesem Fall ermittelt nicht das normalerweise für sexuellen Missbrauch zuständige Fachdezernat, sondern das Kriminalfachdezernat 11. Diese Stelle befasst sich mit Ermittlungen gegen Polizeibeamte, welche Delikte begangen haben, die nichts mit ihrem Dienst zu tun haben. Weitere Details wollte die Polizei gestern nicht bekannt geben – zum Schutze des Opfers. „Sie muss gerade viel aushalten, wir wollen nicht, dass man das Opfer identifizieren kann“, erklärte Andreas Franken.

Nur in seltenen Fällen erfährt man von sexuellem Missbrauch innerhalb einer Familie. Doch tatsächlich sind in Missbrauchsfällen nur wenige Täter den betroffenen Kindern oder Jugendlichen wirklich fremd, wie etwa im Falle des Vergewaltigers mit der Wolfsmaske, gegen den nun der Prozess beginnt. Der Mann soll am hellichten Tag in Obergiesing eine Elfjährige missbraucht haben. Viel häufiger passieren die Taten innerhalb der Familie oder im Bekanntenkreis. Im Mai 2020 hat etwa das Landgericht München II einen 44-Jährigen aus dem südlichen Landkreis wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung seiner siebenjährigen Stieftochter zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Der Skandal trifft das Präsidium in schwieriger Zeit: Erst im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass mindestens 21 Beamte in Drogenvergehen verstrickt sind. Die Ermittlungen laufen.

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