Planegg – Böse Zungen spotten, die jahrelangen Planungen erinnerten an Bayerns größten Verschiebebahnhof, doch jetzt soll das Langzeit-Projekt U-Bahn-Verlängerung nach Martinsried endlich Fahrt aufnehmen. „Der Spatenstich wird Ende des Jahres erfolgen“, sagte Verkehrsministerin Kerstin Schreyer gestern in Bayerns „Bio Valley“, wie das äußerlich unscheinbare Gewerbegebiet im Würmtal an der Grenze zum Münchner Stadtteil Großhadern gerne genannt wird. Dort sitzen zahlreiche Biotechnologie-Unternehmen, darunter die Formycon-AG, die aktuell auch ein Corona-Medikament entwickelt. Deren Vorstandschef Dr. Carsten Brockmeyer kitzelte das klare U-Bahn-Bekenntnis in einer Fragerunde heraus. Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte Schreyer den Zeitplan: „Wir sind mit der Planung auf der Zielgeraden, alle Beteiligten – vom Freistaat über die Gemeinde Planegg bis zum Landkreis München – haben ihre Hausaufgaben gemacht. Es ist alles geprüft. Die U-Bahn kommt. Die Fertigstellung ist für 2025 geplant.“
Für die ortsansässigen Biotech-Firmen ist es sozusagen allerhöchste Eisenbahn, dass die U6 endlich über Großhadern mit Deutschlands zweitgrößtem Uniklinikum hinaus nach Martinsried fährt – das machte Formycon-Chef Brockmeyer deutlich und erntete Zuspruch von der Ministerin. „Wir brauchen die U-Bahn. Wir haben tolle, weltweit operierende Unternehmen hier, die verkehrstechnisch gut angebunden sein müssen“, so Schreyer weiter.
Kritiker fürchten allerdings, dass es sich erneut um Lippenbekenntnisse handeln könnte. Denn die Planungen für den U-Bahn-Bau sind schon beinahe so alt wie die Biotech-Branche selbst. Ein erstes Konzept stammt aus dem Jahr 1998. Mehrmals wähnte sich die Politik fast am Ziel. Nur ein Beispiel für die Versprechungen: 2016 hatte der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) vollmundig angekündigt: „Mit einem Baubeginn 2016 können Sie rechnen.“ Seitdem wurde jedoch in Martinsried kein Grashalm für die U-Bahn geknickt.
Der Planegger Gemeinderat genehmigte im Oktober 2017 die Verträge. Damals gingen optimistische Schätzungen davon aus, dass der Probebetrieb fünf Jahre später würde beginnen können, also im Herbst 2022. Dass die Kostenschätzung von 2012 – 73,5 Millionen Euro – nicht mehr aktuell war, war allen klar. 100 Millionen standen im Raum. Inzwischen ist man bei rund 130 Millionen angelangt.
Technisch ist es ein relativ einfaches Projekt – es kann in offener Bauweise erstellt werden. Bauherr des knapp 1000 Meter langen Tunnels zwischen der Haltestelle Klinikum Großhadern und Martinsried ist die Gemeinde Planegg, die 1,67 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten übernimmt. 3,33 Prozent schultert der Landkreis München, 95 Prozent kommen von Freistaat und Bund.
Die Regierung von Oberbayern hatte im Herbst 2013 grünes Licht für den U-Bahnbau gegeben. Der Planfeststellungsbeschluss war fünf Jahre gültig. Damit die Baugenehmigung nicht erlischt, beantragte Planegg 2018 eine Verlängerung. Weil nach der Baugenehmigung jahrelang nichts vorwärtsgegangen war, waren die Planungen veraltet und entsprachen etwa beim Brandschutz nicht mehr den aktuellen Voraussetzungen. Nun bleibt bis November 2023 Zeit, um mit den Bauarbeiten zu starten.