„Buchen Sie schon jetzt“

von Redaktion

Tourismusforscher sagt, wie er auf die kommende Saison blickt

München – Eine der Branchen, die von Corona schwer getroffen sind und immer wieder zum Erliegen gebracht werden, ist der Tourismus. Betriebe, Reiseanbieter und Fluggesellschaften kämpfen ums Überleben – und die Münchner fragen sich, ob und, wenn ja, wohin sie heuer reisen können. Im Interview spricht. Jürgen Schmude, Professor für Tourismuswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität, über die Auswirkungen der Krise.

Herr Schmude, die Corona-Pandemie trifft den Tourismus weltweit. Mit Blick auf die Erfahrungen von 2020: Wie vereisen die Deutschen heuer?

Der Binnentourismus ist einer der „Profiteure“ von Corona. Auf ihn kommt ein zweites starkes Jahr zu. Viele haben Deutschland für sich neu entdeckt und die Erfahrung gemacht, dass es hierzulande auch sehr schön ist.

Muss man befürchten, dass einzelne Regionen schnell ausgebucht sein werden?

Ja, auf jeden Fall. Das Allgäu, die Nord- und Ostseegebiete waren schon vor der Pandemie gut besucht. Dort werden die Übernachtungszahlen wieder sehr hoch sein. Das hat man schon im Vorjahr gesehen. In unserer Region gibt es bereits die Diskussion über den Overtourism, wenn zu viele Menschen in die Berge oder an den Tegernsee fahren.

Wirkt sich die große Nachfrage auf die Preise aus?

Im vergangenen Jahr haben wir keine Kostenexplosionen gesehen. Die Preise sind eher moderat gestiegen.

Was raten Sie den Menschen angesichts der schwierigen Lage und der Angst vor einer dritten Welle? Buchen oder besser noch warten?

Schon jetzt buchen! Gerade bei den Pauschalreisen wird von den Anbietern ein relativ umfassender Rahmen an Sicherheit geboten. Wenn ich individuell eine Reise plane, ist wichtig, welche Stornierungsmöglichkeiten mir angeboten werden.

Ein wichtiger Punkt in diesen Zeiten?

Ja, bei den Verbrauchern herrscht sehr große Verunsicherung. Was ist zu beachten? Wo gelten welche Regeln? Wann muss ich in Quarantäne? Und die Lage ist sehr unübersichtlich und dynamisch. Deshalb kommt dem Auto eine neue Bedeutung zu.

Wieso das?

Das Reiseverhalten der Menschen verändert sich. Im eigenen Auto bin ich bei meiner Reise keinem Infektionsrisiko ausgesetzt. Und ich bin flexibel. Im Fall eines Problems kann ich selbst meine Rückreise organisieren. Die Flug- und Fernreise wird infrage gestellt.

Dafür setzen die Menschen auf Ziele in Europa?

Ich lehre auch an der Universität in Avignon. Von dort weiß ich: Südfrankreich ist für den nächsten Sommer praktisch schon ausgebucht. Für die hohen Buchungen in Frankreich sind in erster Linie Franzosen verantwortlich, die ja traditionell schon sehr stark im eigenen Land reisen. Das wird durch Corona nochmals verstärkt.

Wird die Pandemie den Tourismus für immer ändern?

Das Bedürfnis zu reisen, ist weiterhin da. Es ist schwer vorherzusehen, wie sich die Dinge entwickeln. Vorstellbar ist, dass die Kosten für Mobilität steigen. Wir nicht mehr so günstig wie früher fliegen werden. Bis die Situation wieder wie vor Corona ist, wird es aber noch Jahre dauern.

Interview: Nadja Hoffmann

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