„Einfach gut“: Ein Stern für Alois Neuschmid

von Redaktion

VON STEPHANIE EBNER

Rottach-Egern – Ein ehemaliges Fischerhüttchen in Rottach-Egern ist die neue Adresse für Feinschmecker. Der „Guide Michelin“ hat am Freitag seine Sterne vergeben und Alois Neuschmid für sein Lokal „Haubentaucher“ mit einem Stern ausgezeichnet. Lois, wie ihn alle am Tegernsee nennen, nimmt die Auszeichnung mit Gelassenheit entgegen. „Das ändert nichts“, sagt er kurz nach der Bekanntgabe am Telefon. Ihm ist es wichtig, dass sich seine Gäste wohlfühlen. Alois Neuschmid hatte vor Jahren mit seinem Restaurant „Lois“ schon mal einen Michelin-Stern.

Der „Haubentaucher“ punktet nicht nur wegen seiner außerordentlichen Lage. Direkt am See, näher kann man nicht am Wasser sitzen. Die Gaststube ist schlicht-rustikal. Mittags gibt es hier wechselnde Tagesgerichte, abends kann der Gast ein mehrgängiges Überraschungsmenü (70 Euro) mit Weinbegleitung wählen.

Einer „seiner größten Fans“, wie Christian Jürgens (Drei Sterne, Überfahrt) sich selbst nennt, schwärmt über das Können des Aufsteigers: „Lois kann alles, egal ob er sensationell bayerisch kocht oder mit exotischen Aromen spielt.“ Neuschmids Küche ist „einfach gut“. Und außerdem gebe es im „Haubentaucher“ den besten Käsekuchen am ganzen Tegernsee. Von Herzen sagt er: „Ich gönne die Auszeichnung dem Lois sehr.“ Jürgens selbst hat seine drei Sterne in der „Überfahrt“ erneut verteidigt.

Hinter Alois Neuschmid steht ein kleines Team – „am Abend kochen wir gerade mal zu zweit“. Der Michelin-Stern sei für sein Team eine tolle Bestätigung. Neuschmid verzichtet bewusst auf großes Brimborium. „Weniger ist mehr“, lautet die Devise des Küchenchefs und Inhabers.

Lockdown, Hygienepläne, Maskenpflicht – die Corona-Pandemie hat die Gastronomie wie viele andere Wirtschaftszweige schwer getroffen. Trotzdem wollte der Restaurant-Führer Guide Michelin bewusst nach vorne blicken, wie Guide-Michelin-Chef Gwendal Poullennec bei der Online-Bekanntgabe betonte. In dem am Freitag vorgestellten Führer für Deutschland sind insgesamt 310 Sterne-Restaurants aufgelistet, darunter ein neues Drei-Sterne-Restaurant, drei neue Zwei-Sterne-Restaurants und 25 neue Restaurants mit einem Stern.

An der gastronomischen Spitze befindet sich ein neues unter den zehn Drei-Sterne-Restaurants. Gewissermaßen ein Comeback der Schwarzwaldstube in Baiersbronn. Bei einem Brand Anfang Januar 2020 wurde das Stammhaus der „Traube Tonbach“ zerstört, einschließlich der dreifach besternten „Schwarzwaldstube“.

Das Thema Nachhaltigkeit spielt auch in der Gastronomie eine immer größere Rolle – der Guide Michelin würdigt dieses Engagement mit einem „Grünen Stern“. Im vergangenen Jahr waren es 18 Restaurants, heuer sind 35 neue hinzugekommen. In Oberbayern sind es das „Fürstenfelder“ in Fürstenfeldbruck, der „Jägerwirt“ in Bad Tölz, der „Moarwirt“ in Dietramszell, das „MundArt 2015“ in Teisendorf, das „Gut Steinbach“ in Reit im Winkel, der „Moosleitner“ in Freilassing sowie das „Berchtesgadener Esszimmer“ in Berchtesgaden.

In der Stadt München gibt es – wie erwartet – weniger Grund zur Freude. Zwei Zwei-Sterne-Häuser sind weg. Die Gebrüder Geisel hatten bereits im Frühsommer den „Werneckhof“ mit Küchenchef Tohru Nakamura (37) Corona-bedingt für immer geschlossen. Nakamura taucht im neuen Michelin nicht mehr auf – der Eröffnungstermin für sein neues Lokal steht noch nicht fest. Auch der Gourmet-Tempel „Tantris“ ist nach dem Weggang von Hans Hass (60) derzeit zu. Das Lokal wird umgebaut, im Sommer soll das „Tantris“ wieder eröffnen, dann allerdings mit einer völlig neuen Brigade. Dessen ehemaliger Küchenchef Haas wurde zum Abschied mit dem „Mentor Chef Award“ geehrt. Er habe fast 30 Jahre lang die Geschicke des Tantris stark geprägt und ist für den Erfolg vieler seiner ehemaligen Schüler mitverantwortlich, so die Jurybegründung. Haas sagte bei der Preisverleihung: „Für mich war es stets das Wichtigste, dass der Gast zufrieden nach Hause geht und auch wiederkommt.“ Sein Rat an die jungen Kollegen lautet schlicht: „Arbeitet für den Gast und stellt Euch selbst nicht in den Vordergrund. Dann kommt alles andere wie von selbst.“

(Der neue Guide Michelin ist ab 10. März zum Preis von 29,95 Euro erhältlich.)

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