Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Vor 20 Jahren verschlug die Liebe Alexandra Jell, heute 45, nach Sonnendorf. Der Ortsteil der Gemeinde Wörth im Landkreis Erding zählt derzeit nur 46 Einwohner. Trotzdem ist immer etwas los.
Frau Jell, was waren Ihre ersten Eindrücke von Sonnendorf, als Sie hierherkamen?
Wenn man durch Sonnendorf fährt, könnte man denken, man ist in einer anderen Welt. Die alten Bauernhöfe, Ställe und Kirchen werfen einen gut 100 Jahre zurück. Das war auch für mich anfangs erst einmal fremd.
Aber Sie fanden es trotzdem angenehm?
Ich persönlich schon. Ich bin sowieso ein Landmensch und war auf der Suche nach Ruhe und Natur. Das habe ich hier gefunden.
Fühlt man sich nicht auch manchmal etwas einsam?
Die Kinder ja, ich nicht. Immer, wenn ein Kind auf die Welt gekommen ist, wurde im Nachbarhaus auch eines geboren . So haben die Kinder halt immer genau ein Kind zum Spielen gehabt. Für Erwachsene ist es nicht einsam.
Was hat Sonnendorf denn noch so zu bieten?
Von unserer Kirche war erstmals im Jahr 800 die Rede. Sie ist die älteste Kirche im Erdinger Landkreis. Bis heute stehen dort Figuren aus dem 15. Jahrhundert. Auf dem Kirchturm nisten seit 2013 wieder Störche. Früher waren die immer da, ab einem gewissen Zeitpunkt sind sie aber nicht mehr gekommen. Erst 2013 wieder. Seitdem kommen sie regelmäßig, kriegen Junge und fliegen im Herbst wieder. Das ist eine große Tradition. Es kommen viele Besucher, um die Störche zu sehen.
Gibt es mehr Traditionen?
Weihnachten stellen wir einen Christbaum an der Kirche auf. Da gibt es eine Feier, bei der alle zusammenkommen. Für junge Leute haben wir einen alten Rum-Keller, in dem wir feiern. Da kommen Jung und Alt zusammen.
Wie muss man sich das vorstellen?
Das ist ein alter Keller, in dem früher rote Rüben gelagert wurden. Irgendwann wurde der dann ausgemistet und hergerichtet. Als wir noch jünger waren, haben wir uns jedes Wochenende dort getroffen. Da gibt es eine Bar, einen Ofen zum Einheizen und mehrere Couchen. Wenn Rum-Fest ist, kommen sowohl die 80-Jährigen als auch die Zehnjährigen. Jeder aus dem Umkreis und den umliegenden Orten, der das weiß, kommt hierher. Das ist schon auch immer ein Highlight.
Interview: Julian Nett