Vorsicht vor eisigen Pisten

von Redaktion

Bergwacht warnt: Tourengeher unterschätzen Bedingungen

Garmisch-Partenkirchen – Schlüsselbeinbruch, Oberschenkelbruch und ein 200-Meter-Sturz, der zu schweren Kopfverletzungen führte – die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen hatte in den vergangenen Tagen und vor allem am letzten Wochenende eine ganze Reihe von Einsätzen mit schwerwiegenden Verletzungen zu bewältigen. Und nachdem auch an diesem Wochenende zumindest zeitweise in den Alpen wieder die Sonne zum Vorschein kommen soll, richtet Einsatzleiter Thomas Abold einen Appell an alle Pistengeher, die sich an den Aufstieg machen wollen.

„Die Leute unterschätzen, dass die Pisten in unserem Gebiet nicht so präpariert sind wie gewohnt“, warnt der Bergwachtler. Denn in Corona-Zeiten steht der reguläre Skibetrieb still. Doch viele Tourengeher machen sich dennoch aus eigener Kraft auf, um sich mit einer Abfahrt zu belohnen. „Aber unsere Abfahrten im Hochgebirge etwa an der Alpspitz oder die Kandahar sind pickelhart und extrem eisig“, sagt Abold. Während der Aufstieg aktuell häufig nicht das Problem ist, stehe der ein oder andere weniger erfahrene Pistengeher dann erschöpft und mit schlechtem Material vor einer anspruchsvollen Abfahrt. „Jeder muss sich vorher im Klaren sein: Bin ich dem skifahrerisch gewachsen?“

Allein am vergangenen Sonntag musste die Garmisch-Partenkirchener Bergwacht acht Mal ausrücken. „Wir waren von halb elf bis 18 Uhr im Dauereinsatz“, sagt Abold. Unter der Woche kamen wieder weitere Einsätze dazu. Und das ganz ohne regulären Skibetrieb. Der Alpspitzbereich gleiche bei gutem Wetter einem „Ameisenhaufen“, sagt Abold mit Blick auf die vielen Tourengeher, die sich den Hang hinaufschlängeln. Seine Faustformel für alle weniger erfahrenen Tourengeher: „Man braucht mindestens die gleiche Kondition für die Abfahrt wie für den Aufstieg.“ Wenn da nicht mehr genug Kraft in den Beinen ist, sind Stürze auf den vereisten Pisten häufig nur noch schwer zu vermeiden.

Doch es muss nicht immer die mangelnde Kondition sein, die zu Unfällen führt. Ein Tourengeher aus dem Raum Traunstein war am Sonntag beim Aufstieg von der Alpspitze ins Oberkar 200 Meter auf dem Schnee in die Tiefe geschlittert und musste mit schweren Kopfverletzungen ins Murnauer Unfallklinikum geflogen werden. Der erfahrene Tourengeher wollte mit seinem Begleiter gerade die Skier abschnallen, um mit Steigeisen einen Übergang in felsiges Gelände zu meistern. Eigentlich richtig, wie Abold betont, doch dabei rutschte er ab. Immerhin bewahrte die gute Ausrüstung den Tourengeher vor noch schlimmeren Folgen. „Sein Helm war total zerdeppert, er hat ihm womöglich das Leben gerettet.“  dg/cf

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