Die Pollen fliegen wieder

von Redaktion

VON NINA PRAUN

München – Wer als Münchner am vergangenen Donnerstag ein Jucken in der Nase verspürte, der ist vielleicht allergisch auf die Hasel. Denn an diesem Tag wurden in München 449 Haselpollen pro Kubikmeter gemessen. Wer dagegen in Garmisch-Partenkirchen lebt und an einer Hasel-Allergie leidet, hat vermutlich am 26. Februar sehr gelitten, als dort 744 Pollen pro Kubikmeter umherflogen. Woher der informierte Allergiker das weiß? Aus der App „ePIN“ des Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), in der jeden Tag der Pollenflug an acht Standorten in ganz Bayern gezeigt werden.

„In München fliegen derzeit verstärkt Pollen von Hasel und Erle“, berichtet eine Sprecherin des LGL. „Ganz vereinzelt finden sich auch schon Pollen von Esche und Birke.“ Das hört sich früh an, entspricht aber „der normalen Blütezeit der Pflanzen“, so die Sprecherin. Allerdings konnte man in den vergangenen Jahren beobachten, dass die Blütezeit einiger Pflanzen früher beginne, da die Durchschnittstemperaturen steigen, so die Sprecherin.

„Einige Pflanzen haben jetzt tatsächlich längere Blühphasen“, berichtet auch Eva Maria Oppel, Leiterin der Allergieambulanz an der LMU-Klinik für Dermatologie und Allergologie in München. Auf dem Dach ihrer Klinik steht der Pollenmonitor des LGL; so kann die Allergologin genau verfolgen, wie sich der Pollenflug verändert. Ihr Fazit: „Es geht früher und massiver los.“ Erschwerend hinzu kommt die Umweltverschmutzung, besonders in den Städten: Feinstaubmoleküle und Autoabgase begünstigen das schädliche Potenzial von Pollen an den Atemwegsschleimhäuten. Also müssen die allergiegeplagten Bayern immer länger und immer stärker leiden.

Warum jemand überhaupt zum Allergiker wird, ist allerdings nicht vorhersehbar. Rund 15 Prozent der Menschen in Deutschland sind nach Schätzungen betroffen. Allergien entstehen „multifaktoriell“, so Oppel. „Es ist eine Mischung aus Genen und Umwelt.“ Jemand, dessen Eltern Allergiker sind, ist vorbelastet, wenn derjenige in einer feinstaubbelasteten Stadt aufwächst, wird das Risiko auch höher. Ein großes Problem ist außerdem Passivrauchen, sagt Oppel – wer als Kind in einer Raucherwohnung aufwächst, hat allergietechnisch sehr schlechte Karten.

Was also tun, wenn man merkt, dass man selbst betroffen sein könnte? Der wichtigste Schritt heißt: „Ordentlich diagnostizieren lassen“, betont Oppel. „Und zwar von einem Allergologen.“ Das Warten auf den Termin kann man sich notfalls mit Antihistaminika aus der Apotheke erleichtern; der Arzt kann dann Medikamente, die nicht müde machen und direkt an den Schleimhäuten gegen die Entzündung wirken, verschreiben. Wichtig ist: Keinesfalls abschwellende Schnupfensprays verwenden, betont Oppel, „die helfen nicht gegen die Allergie und können abhängig machen“.

All diese Maßnahmen sind allerdings nur ein Kampf gegen die Symptome. „Die echte Behandlung ist die Immuntherapie, die Hyposensibilisierung“, sagt Oppel. Wer sich vor Spritzen fürchtet, der kann mittlerweile auch auf andere Behandlungsmethoden zurückgreifen, etwa auf Tabletten oder Tropfen, berichtet Oppel: „Da ist mittlerweile so viel möglich.“

Eine weitere Hilfe in der Not sind einfache Alltags-Regeln für den Allergiker. Erstens: „Abends duschen“, sagt Oppel, „oder zumindest Gesicht und Haare waschen“. Zweitens: Die Kleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen. Drittens: Nicht lüften. Zumindest nicht dann, wenn gerade die Pollen fliegen. „Das beginnt meist in den ganz frühen Morgenstunden“, betont Oppel; genaueren Überblick bietet die Pollenflug-App. Dieses Jahr kann vielleicht noch ein ganz anderes Mittel helfen: die Maske. Durch sie kann die Menge eingeatmeter Pollen reduziert werden. Und wer dann noch unter roten Augen leidet – dem hilft vielleicht noch der Griff zur Sonnenbrille.

Artikel 6 von 11