Ehrenamtliche Friedensstifter gesucht

von Redaktion

VON SUSANNE SASSE

München – „Der Bedarf für Streitschlichtung ist jetzt nach dem Lockdown enorm hoch, vor allem auch für Einzelgespräche“, sagt Matthias Kraemer. Er ist der bayerische Landesvorsitzende des Vereins „Seniorpartner in School“ (SIS), 69 Jahre alt und kam über Umwege zur Mediation, also der Streitschlichtung, nachdem er sich zur Ruhe setzte: „Ich war fasziniert, zu entdecken, dass ein unparteiischer Dritter alleine durch seine Anwesenheit einen Streit komplett verändert, indem er einfach nur zuhört und Fragen stellt“, sagt Kraemer. Er machte zwei Mediationsausbildungen, eine in Köln und eine in München. „Dabei veränderte auch in meinen Blickwinkel, denn es geht bei einem Streit nicht nur um widerstreitende Interessen, sondern auch um die dahinterliegenden Bedürfnisse.“

Um sich als Mediator beim SIS zu engagieren, braucht man keine spezielle Vorbildung, aber eines ist unbedingt notwendig: „Man muss Zeit haben“, sagt Kraemer. Und die Ehrenamtlichen müssen bereit sein, die Wirksamkeit ihres Handelns überprüfen zu lassen.

Mobbing, Ausgrenzung und sogar körperliche Auseinandersetzungen gibt es sogar schon an Grundschulen. Wer hier den Kindern Wege aus den Konflikten aufzeigt, setzt wichtige Akzente, von denen die Kinder ihr ganzes Leben lang profitieren. Zudem entlasten die Mediatoren die Lehrer.

Wer sich angesprochen fühlt, ist eingeladen, sich bei SIS zum ehrenamtlichen Streitschlichter ausbilden zu lassen. Die Ausbildung zum Mediator ist kostenfrei. Erste Informationen bekommen Interessierte am 24. März um 14 Uhr bei einem Zoom-Meeting, Anmeldung per E-Mail an info@sis-bayern.de. Am 12. April startet eine Mediatoren-Ausbildung in München – vorausgesetzt, dass dann Präsenzveranstaltungen stattfinden können. Im Herbst soll eine weitere Ausbildung angeboten werden. Die Ausbildung dauert 85 Stunden, sie umfasst vier Module an drei Tagen.

Matthias Kraemer hat in der Streitschlichtung seine zweite Berufung gefunden. Früher machte er ganz etwas Anderes, er unterhielt Menschen, brachte sie zum Lachen und Nachdenken: Nach dem Philosophiestudiumgründete er in München das Straßentheater „Die fliegenden Bauten“. Zunächst trat sein Ensemble unter freiem Himmel auf, dann kauft Kraemer ein Zirkuszelt und Bauwagen und reiste mit seiner Truppe durch Deutschland, bis das Theater dann in Hamburg eine feste Betriebsstätte bekam. 2004 gab Kraemer nach 25 Jahren die Leitung ab. Durch Zufälle wurde er auf SIS aufmerksam und merkte, wie sehr es ihm persönlich Auftrieb verschafft, Streit zu schlichten.

Anmeldung:

Zum Infotag am 24. März können sich Interessierte per E-Mail an info@sis-bayern.de anmelden.

Artikel 1 von 11