München – Ein Viertel der kreisfreien Städte und Landkreise in Bayern haben einen Inzidenzwert von über 100. Nahezu der gesamte ostbayerische Raum ist betroffen, aber auch einzelne Regionen in Oberbayern wie die Landkreise Mühldorf und Altötting und die Stadt Rosenheim. Die Folge: Die Schulen verharren abgesehen von den Abschlussklassen im Distanzunterricht.
Das Kultusministerium will den Schülern dort nun zumindest begrenzte Begegnungen ermöglichen. Es werde noch vor Ostern „Tage des offenen Klassenzimmers“ geben, kündigte Kultusminister Michael Piazolo (FW) gestern an. „Für die Kleinsten ist es besonders wichtig, wieder Kontakt zu haben.“ Vor allem Grund- und Förderschulen sollten einen Tag pro Woche öffnen, wenn der Elternbeirat das wolle. Es werde aber ein freiwilliges Angebot sein. Niemand werde gezwungen, sein Kind dorthin zu schicken. Ausnahme sind Inzidenzen von über 300.
Das Angebot kommt nicht von ungefähr. Mancherorts rebellieren die Eltern, etwa in Grafenau (Inzidenz: 153), wo laut Bericht der örtlichen Presse überlegt wird, aus Protest gegen die Dauerschließung sämtliche Kinder in die Notbetreuung der Realschule zu schicken. Auch unsere Redaktion erreichen immer wieder Briefe verzweifelter Eltern – so die Mutter eines Elftklässlers aus Grafing (Kreis Ebersberg), die sich über die Bevorzugung von Gartencentern gegenüber Schulen geärgert hatte. Ebersberg hat nun eine Inzidenz von 43 – bleibt es dabei, so darf die Q11 ab nächsten Montag zumindest wieder in den Wechselunterricht, sprich einen Tag zuhause, eine Tag in die Klasse. So sieht es der vergangene Woche vorgelegte Öffnungsplan der Staatsregierung vor.
Nach wie vor offen ist, ob die Schulen am Montag Selbsttests für die Schüler und Lehrer haben. Eben dies forderte gestern der Bayerische Philologenverband: „Nur wer einen negativen Corona-Test vorweisen kann, darf am kommenden Montag in die Schule gehen.“
Verwunderung erregt insbesondere die Altersgrenze von 15 Jahren für die Tests. Nach der derzeitigen Regelung bleiben zum Beispiel alle Grundschulkinder, aber auch die gesamte Unterstufe der weiterführenden Schulen ungetestet. Der Lehrerverband BLLV kritisiert die Altersgrenze bei den Selbsttests. „Ich kann das nicht erklären“, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Kultusminister Piazolo kündigte gestern eine Lösung an („wird Tests geben“), ging aber nicht ins Detail. Aufklärung kam gestern auf Anfrage unserer Zeitung vom Gesundheitsministerium. Die Antwort macht deutlich, dass auf die Schulen noch viel Organisation zukommt, wenn sie Tests für unter 15-Jährige durchführen. Diese sind nämlich nur unter Aufsicht durchführbar.
Von den Herstellern der Tests, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zur Eigenanwendung durch Laien zugelassen habe, werde „ein Mindestalter von 15 Jahren bei einer unassistierten Selbstanwendung“ empfohlen, schreibt das Ministerium. „Die Selbsttestung von unter 15-Jährigen hat daher unter Aufsicht / Assistenz zu erfolgen.“ Das ist bekanntlich an vielen Schulen noch nicht geregelt. DIRK WALTER