Zäune gegen den Wolf

von Redaktion

Ministerium verteidigt sich gegen Naturschützer

München – Zwei Angriffe auf Damwild in Oberfranken haben eine Debatte um die Ansiedlung des Wolfes in Bayern entfacht. Das Landwirtschaftsministerium weist Kritik, Nutztierhalter nicht ausreichend informiert zu haben, zurück. Vielmehr gebe es diverse Angebote zum Herdenschutz, sagte ein Sprecher. Die Behörden appellieren an die Halter, die Möglichkeiten zu nutzen – sie seien freiwillig.

Einerseits gibt es den Ausgleichsfonds Großer Beutegreifer, der Nutztierhaltern Schäden wie etwa ein gerissenes Schaf ersetzt. Hinzu kommt seit April 2010 die finanzielle Förderung des präventiven Herdenschutzes, also zum Beispiel die Investition in wolfssichere Zäune und Herdenschutzhunde.

In der Region Betzenstein, in der jüngst 25 Hirsche, Rehe und Schafe Wölfen zum Opfer gefallen sind, berate seit 2010 eine Spezialistin Nutztierhalter zum Herdenschutz, berichtete der Sprecher. Seit 2017 gebe es landesweit Seminare zu diesem Thema, etwa zum Zaunbau. Jedes Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Freistaat habe seit 2019 einen eigenen Ansprechpartner für Herdenschutz. Bis zu 100 Prozent der Herdenschutzmaßnahmen werden demzufolge vom Ministerium erstattet. Seit April 2020 wurden Anträge von rund 300 Betrieben bewilligt und etwa 500 000 Euro ausgezahlt.

Gefördert werden können nach Angaben der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising Schutzmaßnahmen für Herden in Regionen, in denen sich Wölfe angesiedelt haben. Würden hier sämtliche Herden sicher gegen das Raubtier eingezäunt – sofern das in bergigen Regionen überhaupt möglich ist – wären laut einer LfL-Studie aus dem Jahr 2017 rund 240 Millionen Euro erforderlich.

Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) hatte nach den Wolfsangriffen bei Betzenstein vergangene Woche eine Senkung der Schutzvorgaben für Wölfe gefordert, sodass sie leichter getötet werden dürften. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Bund Naturschutz kritisierten dies postwendend und verwiesen darauf, dass die angegriffene Herde nicht wolfssicher eingezäunt gewesen sei. „Die beiden Zwischenfälle tun uns leid, und wir nehmen die Wolf-Situation dort und im Rest von Bayern sicherlich nicht auf die leichte Schulter“, teilte der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer gestern mit. Er blieb bei seiner Kritik, dass die Risse hätten vermieden werden können, wenn die Behörden angesichts des im nahe gelegenen Veldensteiner Forst lebenden Wolfsrudels ihre Aufgabe zur Information ernst genommen hätten.

Der Tierhalter wiederum hatte angegeben, die Sicherungsmaßnahmen seien im Gange gewesen. So verfügte das Gehege bereits über einen verstärkten Wildgatterzaun, jedoch fehlten noch ein Untergrabschutz und die elektrische Sicherung. lby/mm

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