Garmisch-Partenkirchen – Mit dem bloßen Auge sind sie nicht zu erkennen. Und doch sind sie da: Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) haben nach einem Vulkanausbruch Aschepartikel an der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus (UFS) gemessen. Die Kleinstteilchen haben eine gut tausend Kilometer lange Reise hinter sich: vom Ätna auf Sizilien bis auf die Zugspitze.
Seit 20 Jahren überwacht der DWD am Schneefernerhaus die Atmosphäre. Unter anderem sind dafür ein Instrument zur Messung der Konzentration von Schwefeldioxid und ein sogenanntes Ceilometer in Betrieb, ein vollautomatisches Lasermessgerät, das rund um die Uhr Partikel über der Station erfasst. „In all den Jahren ist es fünfmal gesichert passiert, dass wir Aschepartikel auf der Zugspitze nachweisen konnten“, sagt Werner Thomas, der für das Ceilometer verantwortlich ist.
Wegen der geografischen Lage des Ätna sei es eine Seltenheit, dass die Spuren eines Ausbruchs im Norden messbar werden. „Der Ätna liegt östlich von uns. Es braucht aus unserer Sicht eine Süd-Ost-Strömung, um die Partikel zu uns zu tragen“, erklärt Thomas. Außerdem müssen die Emissionen die richtige Höhe erreichen. „Wenn der Ätna nur kurz hustet, kommt davon nichts bei uns an“, sagt der Meteorologe.
Dieses Mal kamen alle Faktoren zusammen. Der Ätna brach am 22. Februar erneut aus, die Emissionen erreichten eine für den Vulkan ungewöhnliche Höhe von elf bis zwölf Kilometern – und zogen dann Richtung Nordwesten. Das Ergebnis: An der UFS wurden deutlich erhöhte Schwefeldioxidwerte gemessen. Normalerweise liegen sie bei einem ppb, was die Abkürzung für „parts per billion“ – auf deutsch „Teilchen pro eine Milliarde Luftteilchen“ – ist. Nach dem Ausbruch wurden drei bis sechs ppb gemessen, „das Maximum lag bei 20 Teilchen pro Milliarde Luftteilchen“.
Auch das Ceilometer erkannte die für das Auge unsichtbare Aschewolke des Ätna. Zwei Tage nach dem Ausbruch zeigte es eine wenige hundert Meter dicke Partikelschicht etwa einen Kilometer über dem Schneefernerhaus an. Die sank bis auf das Niveau der Messstation herab und führte zu einer starken Zunahme der gemessenen Partikel in der Luft.
Gefährlich ist die Menge der Teilchen in der Luft übrigens nicht, beruhigt Werner Thomas. „20 parts per billion sind umgerechnet 50 Mikrogramm.“ Zum Vergleich: Der Grenzwert für die Schwefeldioxidbelastung in der Luft liegt bei 350 Mikrogramm pro Stunde. KATHRIN BRACK