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Bavarian Gemutlichkeit and Lebkuchen

von Redaktion

VON BEZIRKSHEIMATPFLEGER NORBERT GÖTTLER

Kulturevents ziehen Promis an, das war früher nicht anders als heute. Auf dem grünen Hügel von Bayreuth verlustierten sich einst Kreative wie Theodor Fontane, Auguste Rodin und George Bernard Shaw und in Oberammergau wohnten keine Geringeren als der indische Dichterfürst Rabindranath Tagore und die englische Krimi-Päpstin Agatha Christie dem frommen Schauspiel bei. Nicht gemeinsam, meines Wissens.

Aber wie es bei Events so läuft, man kommt und geht, und in wenigen Stunden ist der ganze Spuk vorüber. Umso erstaunlicher, dass sich 1878 ein US-amerikanischer Schriftsteller, der seit seinen Abenteuergeschichten um Tom Sawyer und Huckleberry Finn auf dem Höhepunkt seines Ruhm stehende Mark Twain, gleich drei Monate Zeit nimmt, die königliche Haupt- und Residenzstadt München zu besuchen.

Im tristen Novembernebel gestaltet sich die Ankunft freilich nicht sehr erfreulich. „München schien der furchtbarste, ödeste, der unerträglichste Ort zu sein!“, schimpft Mark Twain und wollte samt Familie sofort wieder abreisen. Aber nach und nach verliebt man sich unter Obhut eines deutschen Kindermädchens in die Stadt und in die Pension Karlsstraße 1a, wo man „Schwartzpeter“ spielt und mit den Kindern „Kommt ein Vogel geflogen“ singt.

Besonders der Adventsmarkt vor der Haustür hat es Twain angetan. Zeitlebens schwärmt er von der „Bavarian Gemutlichkeit and Lebkuchen“ und von einer „gerösteten Ente, die so vorzüglich schmeckte, besser hätte auch ein Stück Engel nicht schmecken können!“.

Na, das ist ja gerade noch mal gut gegangen!

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