Susanne Gerster ist Ärztin in Reithofen im Kreis Erding. Sie gehört zu den bayerischen Ärzten, die an dem Pilotprojekt teilnehmen und bereits in den Praxen impfen. Mittwoch hat sie damit begonnen – und berichtet, wie groß der Aufwand ist.
Wie viel Zeit brauchen Sie dafür, Ihre Patienten zu impfen?
Es geht relativ flott. Die Impfung selbst dauert ja nicht lange. Meine Patienten haben großes Vertrauen, ich kenne Ihre Krankheitsgeschichten, deshalb geht auch das Vorgespräch schnell. Wir versuchen, Haushalte gemeinsam zu impfen, zum Beispiel Ehepaare, die in derselben Priorisierungsgruppe sind. Das Problem ist die Dokumentation.
Wie groß ist der bürokratische Aufwand?
Er ist enorm und müsste meiner Meinung nach nicht so hoch sein. Es wäre einfacher, wenn wir ähnlich wie bei der Grippeimpfung für jede Impfung eine Abrechnungsziffer hätten. Dann wäre auch alles erfasst. Aktuell gehören zu jeder Impfung rund zehn Seiten Papierkram. Ich musste meinen eigenen Laptop und einen Scanner mitbringen, außerdem helfen mir zwei Freundinnen dabei, alles einzutippen. Sonst wäre das nicht zu schaffen. Und ich bin sicher, der ganze Papierkram wird irgendwo gelagert und nach einigen Jahren dann geschreddert.
Bestimmt rufen jetzt viele Patienten bei Ihnen an und bitten um eine Impfung…
Ja, gefühlt ruft der ganze Landkreis bei mir an. Ich gehe inzwischen schon selbst ans Telefon, weil mein Praxisteam das gar nicht mehr schafft. Jeden dritten Anrufer muss ich vertrösten, weil er nicht zu den Priorisierungsgruppen gehört. Die Leute haben dafür Verständnis – wollen aber zumindest fragen, ob sie in der Praxis schon früher geimpft werden können. Das Impfen ist viel Aufwand für uns – trotzdem glaube ich, wir können diesen Aufwand die nächsten Monate stemmen. kwo