Steinadler Luisa stirbt an Bleivergiftung

von Redaktion

Jagdmunition soll Ursache gewesen sein

Unterammergau – Falkner Alfred Aigner hat alles gegeben, um Luisa wieder aufzupäppeln. Das fünf Jahre alte Steinadler-Weibchen wurde vergangenen Montag an der Unterammergauer Winterrodelbahn (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) gefunden. Weil sie nicht mehr fliegen konnte, wählten Wanderer den Notruf´. Als die örtliche Feuerwehr anrückte, rechnete die noch mit einem Bussard.

Feuerwehrmann Florian Schleicher wurde dann eines Besseren belehrt. Ein „richtiges Viech“ galt es zu retten. „Ohne Jäger hätte ich da nicht viel gemacht“, sagte er. „Ich weiß ja nicht, wie der Adler reagiert.“ Unter Anleitung gelang es ihm, das verletzte Tier mit einer Decke einzufangen. Nicht auf den Schnabel, sondern auf die Fänge müsse man achten. Diese haben bis zu 700 Kilogramm Druckkraft und lassen die Beute sonst erst los, wenn kein Pulsschlag mehr zu fühlen ist.

Nach einem Tierarztbesuch ging es für den Steinalder weiter in Aigners Greifvogel-Auffangstation in Sauerlach (Landkreis München). Der Falkner vermutete, sie sei mit einem Auto kollidiert. Denn sie konnte weder stehen noch fliegen. Und auch nicht selbstständig fressen. Trotz Infusionen und Medikamenten schwebte sie weiter in Lebensgefahr.

Dass es sich nicht nur um ein „Anflugstrauma“ handelt, bestätigte der Befund eines Speziallabors: Luisa litt an einer massiven Bleivergiftung. Um die Folgen wusste Aigner: Der Greifvogel bekommt schlecht Luft. Die Fänge verkrampfen. Immerhin konnte Luisa nach der Diagnose gezielter behandelt werden. Wegen Bleitoxikose wurde sie bis zuletzt künstlich beatmet. Tagelang kämpfte Aigner mit einer Spezialistin um ihr Leben. Am Freitag starb sie dann aber an Organversagen.

Doch wie kam Luisa überhaupt mit Blei in Berührung? „Die Vergiftung ist nur aufgrund von Jagdmunition erklärbar“, sagt Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Das Tier habe Aas gefressen, das bleihaltige Munition enthielt. Tierschützer halten ein generelles Bleiverbot längst für überfällig, zählt die Bleivergiftung doch zu den häufigsten Todesursachen extrem seltener Vogelarten. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gibt es nur noch einen Brutbestand von 20 Steinadlern.  mas/cos

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