Bayerns Feuerwehren dürfen wieder üben

von Redaktion

VON CORNELIA SCHRAMM UND FREDERICK MERSI

Dachau – Der Dachauer Kreisbrandinspektor Maximilian Reimoser klingt erleichtert: „Die Kreisausbildungen dürfen wir endlich wieder hochfahren.“ In Kleingruppen mit bis zu neun Teilnehmern und einem Ausbilder finden jetzt wieder Übungen statt. „Schritt für Schritt werden jetzt alle Kurse, die voriges Jahr abgebrochen worden sind, nachgeholt“, erklärt er. Inhalte, die man online vermitteln kann, werden nach wie vor online angeboten. Dennoch: „Wir leben von der Praxis“, sagt Reimoser. Deshalb setzt man etwa bei der Funkerausbildung – neben vier Onlineschulungen – auch auf zumindest einen Praxistag.

Für den Motorsägen-Lehrgang habe man in Markt Indersdorf eigens eine Lagerhalle umfunktioniert. „Hier können jetzt alle mit den nötigen Abständen und mit FFP2-Maske teilnehmen. In Kleingruppen geht es dann für die Praxis in den Wald“, erklärt Reimoser. Spezialkurse wie dieser seien extrem wichtig, dürfe man doch sonst beim Einsatz nicht mit den Gerätschaften hantieren. „Aber auch Standardhandgriffe müssen regelmäßig geübt werden“, sagt er. Nur so bleibt die Routine erhalten und das Team auch für den Ernstfall eingespielt.

Auch Johann Eitzenberger, der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands (LFV), hält regelmäßiges Üben für „unerlässlich“. Schließlich würden die rund 7500 überwiegend freiwilligen Feuerwehren im Schnitt alle zweieinhalb Minuten alarmiert. Die Ausbildungen fortzusetzen, sei wichtig, betont Eitzenberger. Es gehe in erster Linie darum, dass die Zahl der aktiven Feuerwehrleute in Bayern nicht sinkt. Bislang sei das trotz des zwischenzeitlichen Verbots der Präsenz-Schulungen zwar „Gott sei Dank“ nicht der Fall, sagt er. „Es wird aber großer Anstrengungen bedürfen, die entstandenen Defizite im Bereich Mitgliederwerbung und -ausbildung aufzuholen.“

Im Hinblick auf den Nachwuchs sieht auch Maximilian Reimoser „große Gefahren“. Man müsse sehen, wie sich die Krise auf die Jugend auswirke. „Unsere Jugendwarte waren zwar recht kreativ mit den Onlinekursen“, erklärt er, doch das Teamgefühl komme derzeit natürlich zu kurz. Die Angst, dass viele abspringen könnten, weil es mit der Grundausbildung so lange nicht voranging, ist in Dachau groß.

Andreas Heiß, Kreisbrandrat in Ebersberg, machen aber nicht nur die großen Lücken in der Grundausbildung Sorgen. Sondern auch, dass die Feuerwehrschulen in Bayern noch immer geschlossen sind. Erst ab Mitte April sollen hier wieder Fachausbildungen stattfinden und künftige Gruppenführer und Kommandanten geschult werden können.

Auch wenn für Bayerns Feuerwehren schon langsam alle Zeichen auf Neustart stehen, ist noch immer Vorsicht geboten. Obwohl man bei Einsätzen meist in Zugstärke anrückt und mit anderen Feuerwehren zusammenarbeiten muss, kann in diesen Dimensionen noch nicht wieder geübt werden. Übungen mit mehr als 20 Feuerwehrleuten seien „aufgrund des derzeitigen Infektionsgeschehens nicht angezeigt“, sagt LFV-Vorsitzender Eitzenberger. So gestaltet sich das Einstudieren mancher Einsatzszenarien weiter schwierig.

Wann die jeweiligen Feuerwehren mit dem Üben beginnen, ist ihren Kommandanten überlassen. Inzwischen dürften wieder zehn Feuerwehrleute, also neun Personen und ein Ausbilder, gleichzeitig vor Ort üben. Es geht also wieder los. FFP2-Maske und Abstand sind aber weiter Pflicht.

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